Aus dem vom IfO-Institut veröffentlichten Bildungschancenmonitor geht hervor, dass der schulische Erfolg in Deutschland zunehmend zu einer Ableitung des materiellen Status und der Bildung der Eltern wird, und nicht des individuellen Engagements oder der Arbeit des Schülers.
Dieses Phänomen steht in krassem Widerspruch zu dem Modell, das aus den 1960er- oder 1990er-Jahren bekannt ist, als die „soziale Sprungfeder“ es Personen aus Arbeiter- oder Einwandererfamilien ermöglichte, durch die Stufen des öffentlichen Bildungswesens hohe berufliche Positionen zu erreichen.
Gegenwärtig weisen die Statistiken auf eine fortschreitende Polarisierung hin: Auf der einen Seite wächst die Gruppe der Jugendlichen, die das Abitur an Gymnasien anstrebt, auf der anderen Seite vergrößert sich rapide die Kategorie der Kinder „ohne Chancen“, die keinerlei schulischen Erfolg erzielen.
Eine der Hauptachsen des Streits um die Gestalt des deutschen Schulwesens ist das System der frühen Selektion der Schüler, die in den meisten Bundesländern bereits nach der vierten Klasse der Grundschule erfolgt.
Eltern sind dann gezwungen, eine Entscheidung über den künftigen Lebensweg ihres zehnjährigen Kindes zu treffen, indem sie es an ein Gymnasium, eine Realschule oder eine Hauptschule schicken.
Kritiker dieser Lösung weisen darauf hin, dass sie zu früh eingeführt wird, in einem Moment, in dem Kinder erst lernen, sich Wissen effektiv anzueignen, was ihnen eine gemeinsame Entwicklung und einen Chancenausgleich verwehrt.
In der Vergangenheit, insbesondere in den 1990er-Jahren, war dieses System flexibler, ermöglichte den Übergang von Schülern zwischen verschiedenen Schultypen und das spätere Nachholen von Bildung an höheren Berufsschulen, was die soziale Integration förderte, einschließlich der zahlreichen Gruppe der nach Deutschland kommenden Polen.
Ein besonders besorgniserregendes Phänomen, das in den jüngsten Studien festgestellt wurde, ist der zunehmende Bildungsrückstand bei Jungen, die statistisch gesehen in der Schule deutlich schlechter abschneiden als Mädchen.
Dieses Problem äußert sich nicht nur in Schwierigkeiten bei der Bewältigung der Lehrplangrundlagen, sondern auch in zunehmenden aggressiven Verhaltensweisen und im Nichtzurechtfinden in dem von Frauen dominierten frühschulischen Umfeld.
Nach Jahrzehnten intensiver Feminisierung des pädagogischen Personals in Kindergärten und Grundschulen taucht in der deutschen öffentlichen Debatte die Forderung nach einer Rückkehr zu traditionellen Mustern männlicher Autorität auf.
Experten legen nahe, dass die Lösung der Erziehungs- und Bildungsprobleme der Jungen in einer verstärkten Anstellung männlicher Lehrer bestehen könnte, die zum Vorbild eines „klugen, gebildeten und gesitteten Mannes“ würden, als Alternative zu aggressiven Verhaltensweisen.
Diese Krise berührt die Fundamente des sozialen Zusammenhalts, denn das Gefühl, durch Bildung Einfluss auf das eigene Schicksal nehmen zu können, ist ein Schlüsselelement der staatlichen Stabilität.
Wenn das System die Fähigkeit verliert, Chancengleichheit zu gewährleisten, und Erfolg vererbbar wird, kommt es zu einer Erosion des Vertrauens in öffentliche Institutionen.
Obwohl sich die Bildungssysteme in den einzelnen Bundesländern in ihrem Komplexitätsgrad unterscheiden, weist die allgemeine Tendenz auf einen Verlust der Dynamik hin, die jahrzehntelang das deutsche „Wirtschaftswunder“ angetrieben hat.
Heutige Herausforderungen, wie die Integration von Kindern aus Familien ohne akademische Tradition, erfordern eine Neudefinition der bisherigen Methoden zur Sortierung der Schüler sowie eine stärkere Betonung der Förderung der Kinder in den frühesten Entwicklungsphasen, bevor es zu einer unumkehrbaren Spaltung in Erfolgs- und Marginalisierungsgruppen kommt.