Im Dezember 2025 veröffentlichte der deutsche Think Tank Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) ein Dokument, das die Pläne der Europäischen Kommission (EK) zur Reform von Europol – der EU-Agentur für die Zusammenarbeit in der Strafverfolgung – analysiert. Die EK unter der Führung von Ursula von der Leyen schlägt eine Verdoppelung des Personals und eine Erweiterung des Mandats um Sabotage, Desinformation und hybride Bedrohungen vor. Ziel ist die Schaffung einer „wirklich mächtigen Polizei\". Kritiker sehen darin ein Streben nach einem „europäischen FBI
, \"Europol mit Sitz in Den Haag hat sich seit 1993 weiterentwickelt, als die Behörde als Anti-Drogeneinheit gegründet wurde. Heute bekämpft die Agentur 30 Formen der Kriminalität, darunter Drogenhandel, Cyberkriminalität und Terrorismus. Im Jahr 2025 kamen Migrantenschmuggel und Verstöße gegen EU-Sanktionen hinzu. Das Personal wuchs von 971 im Jahr 2021 auf 1701 im Jahr 2025, das Budget von 172 auf 247 Millionen Euro.
Europol unterstützt derzeit grenzüberschreitende Ermittlungen auf Ersuchen der Mitgliedstaaten und liefert Analysen. Die Agentur kann keine eigenständigen Ermittlungen, Durchsuchungen oder Verhaftungen einleiten – das sind nationale Kompetenzen (Art. 88 EUV).
Die Vorschläge der EK aus dem Jahr 2024, die nach der Wiederwahl von der Leyens wiederholt wurden, sehen eine Verdoppelung des Personals und eine Erweiterung des Mandats vor. Im Juli 2024 sprach von der Leyen von Bedrohungen, die nicht vom Mandat abgedeckt seien. Die Strategie für die innere Sicherheit der EU vom April 2025 präzisiert: „Europol soll eine unterstützende Agentur sein, aber mit größerer Kontrolle durch die EK. Für 2026 ist ein Legislativvorschlag geplant.\"
Der SWP-Bericht zitiert von der Leyen, dass das Ziel der Kampf gegen Sabotage (z. B. an kritischer Infrastruktur), Desinformation und hybride Angriffe sei. Die Agentur solle mit autonomen Befugnissen ausgestattet werden. Die EK verwendet diesen Begriff jedoch nicht, und der Bericht warnt vor dem Risiko fehlender Rechtsdefinitionen, der Konkurrenz mit anderen Agenturen (ENISA, AMLA, Frontex) und Bürokratie (die Mandatserweiterung als Vorwand für Budgeterhöhungen).
Die Polizeichefs der Mitgliedstaaten erklärten im April 2025, dass Europol ein Koordinationszentrum bleiben solle und keine Zentrale. Deutschland unterstützt die Stärkung von Europol, aber nicht die Umwandlung in ein FBI. Im Jahr 2020, während der Ratspräsidentschaft, setzte Berlin auf Unterstützung ohne strukturelle Veränderungen.
Der SWP-Bericht argumentiert: Mehr Mehrwert liegt in den Kernbereichen (Drogen, Cyber, Terrorismus) als in einem neuen Mandat. Beispiele für Erfolge: die Analyse des Anschlags in Burgas (2012), die Task Force nach Paris (2015), die Infiltrierung von EncroChat und Sky ECC (2020–2024), die kriminelle Netzwerke aufdeckte.
Eine Erweiterung des Europol-Mandats birgt die Gefahr einer Duplizierung von Kompetenzen. Für Polen, das der Zentralisierung skeptisch gegenübersteht, sind die Europol-Reformen ein weiteres heikles Thema auf der Achse Warschau – Brüssel.