Deutschland steigerte die Importe wichtiger Technologierohstoffe um 4,9 Prozent, doch die Abhängigkeit von China bleibt hoch. Eine ähnliche Situation betrifft die gesamte Europäische Union.

Seltene Erden sind eine Gruppe von 17 chemischen Elementen mit zentraler Bedeutung für die moderne Wirtschaft. Sie sind unverzichtbar für die Produktion von Akkumulatoren, Halbleitern, Neodym-Magneten, die in Elektromotoren von Fahrzeugen, Windkraftanlagen sowie in der Unterhaltungselektronik, der Medizintechnik und der Verteidigung eingesetzt werden. Obwohl Europa erklärt, eine grüne Transformation und digitale Souveränität anzustreben, ist die Förderung und Verarbeitung dieser Rohstoffe auf seinem Territorium minimal. Deutschland und die Europäische Union sind überwiegend von deren Import abhängig.

Nach den jüngsten statistischen Daten, die am 14. April 2026 von Destatis veröffentlicht wurden, importierte Deutschland im Jahr 2025 5500 Tonnen Seltene Erden. Das sind 4,9 Prozent mehr als 2024, als 5200 Tonnen eingeführt wurden. Der Wert der Importe stieg noch deutlicher – von 64,5 Millionen Euro auf 77,6 Millionen Euro. Der Preisanstieg und die größere Menge spiegeln den wachsenden Bedarf der deutschen Industrie an diesen strategischen Metallen wider.

Größter Lieferant blieb China. Im Jahr 2025 stammten 55,4 Prozent der gesamten importierten Menge, also 3000 Tonnen, aus dem Reich der Mitte. Dies ist jedoch ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu 2024, als der chinesische Anteil noch 65,4 Prozent betrug. Zweitgrößter Lieferant war Österreich mit 20 Prozent (1100 Tonnen) und drittgrößter Estland mit 10,9 Prozent (600 Tonnen). Wie Statistiker betonen, sind Österreich und Estland keine ursprünglichen Produzenten Seltener Erden, sondern der Rohstoff gelangt aus anderen Ländern dorthin (vor allem aus Nicht-EU-Staaten) und wird dann weiterverarbeitet und reexportiert. Aus diesem Grund ist die ursprüngliche Herkunft (z. B. China, Russland oder Malaysia) in der deutschen Statistik nicht mehr sichtbar.

Zum Vergleich sei daran erinnert, dass das Jahr 2025 nicht den Importrekord der letzten Dekade gebrochen hat. Das höchste Niveau wurde 2018 verzeichnet – damals importierte Deutschland 9700 Tonnen Seltene Erden (im Wert von 38,3 Millionen Euro). Das aktuelle Niveau liegt also deutlich unter dem historischen Höchststand, was auf eine teilweise Diversifizierung der Lieferungen oder eine Optimierung des Verbrauchs in der Industrie hindeuten kann.

Nach Eurostat-Daten wurden 2025 in die EU insgesamt 15 100 Tonnen Seltene Erden im Wert von 124,9 Millionen Euro importiert. 46,8 Prozent dieser Menge (7100 Tonnen) stammten aus China. Den zweiten Platz belegte Russland mit 25,9 Prozent (3900 Tonnen) und den dritten Malaysia mit 23,1 Prozent (3500 Tonnen). Die Abhängigkeit von China ist bei einigen konkreten Verbindungen besonders dramatisch. Ein Beispiel sind Lanthanverbindungen – von 3800 in die EU importierten Tonnen stammten 3700 Tonnen, also 97,3 Prozent, eben aus China.

Diese Zahlen verdeutlichen die strategische Schwäche Europas in der Lieferkette kritischer Rohstoffe. Seltene Erden werden auf dem Gebiet der EU nicht in nennenswertem Umfang gefördert, und ihre Verarbeitung konzentriert sich auf wenige asiatische Länder. Deutschland als größte Volkswirtschaft der Union und einer der Technologieführer spürt diese Abhängigkeit besonders stark. Der wachsende Bedarf an Elektrofahrzeugen, erneuerbaren Energien und fortgeschrittener Elektronik führt dazu, dass die Importe dieser Rohstoffe in den kommenden Jahren eher steigen als sinken werden.

Die Abhängigkeit von China im Bereich Seltener Erden ist kein neues Phänomen, gewinnt aber im Kontext geopolitischer Spannungen und der wachsenden technologischen Rivalität zwischen den USA und China besondere Bedeutung. Peking kontrolliert seit Jahren über 80 Prozent der globalen Verarbeitung dieser Rohstoffe und hat in der Vergangenheit nicht gezögert, dies als Druckmittel einzusetzen (Embargo gegen Exporte nach Japan im Jahr 2010).

Die deutsche Automobilindustrie (Volkswagen, BMW, Mercedes), Elektronikhersteller sowie der Wind- und Photovoltaiksektor sind besonders empfindlich gegenüber Lieferunterbrechungen. Schon ein geringer Preisanstieg oder eine Beschränkung der Exporte aus China kann zu höheren Produktionskosten und Verzögerungen bei der Erreichung der EU-Klimaziele führen.