Der Vorfall wurde aufgezeichnet, und die Aufnahme gelangte an die Medien. Das Video zeigt, wie deutsche Polizeibeamte eine Familie direkt auf die polnische Seite der Grenze bringen. Die polnischen Grenzschützer schrieben, dass die Ausländer gültige litauische Pässe sowie Aufenthaltstitel besäßen. Die litauische Seite bestätigte die Rechtmäßigkeit ihres Aufenthalts in Litauen. Dennoch stuften die Deutschen die Einreise als „unerlaubt” ein und schoben die gesamte Familie nach Polen ab.
Die Bundespolizei bestätigte in ihrer offiziellen Pressemitteilung vom 20. April, dass „Kräfte der Bundespolizei in enger Koordination mit den polnischen Grenzschutzbehörden eine Familie abgeschoben haben, die zuvor unerlaubt aus Polen eingereist war”. Gleichzeitig wurde eingeräumt: „Alle vier Personen besaßen gültige Ausweisdokumente”. Die Deutschen schickten die Familie jedoch nach Polen zurück und nicht nach Litauen – den Staat, der ihnen das Aufenthaltsrecht erteilt hatte.
Am interessantesten ist, was geschah, nachdem wir den deutschen Behörden bereits am Abend des 19. April detaillierte Fragen zugesandt hatten. Als Antwort erhielten wir eine E-Mail mit dem Titel „Dringende Anfrage – Migrantenfamilie aus Deutschland nach Polen abgeschoben”. Die Mail enthielt die Information, dass auf polnischer Seite Aufnahmen gemacht worden seien (Tagebuchnummer 366376). Einige Stunden später kam eine zweite E-Mail mit einer Entschuldigung: „Das war leider ein Adressatenirrtum. Bitte löschen Sie die erste Nachricht”. Erst die dritte, offizielle E-Mail aus der Zentrale in Bad Bramstedt enthielt eine lakonische Antwort und einen Verweis an den polnischen Grenzschutz.
Der polnische Grenzschutz reagierte schnell und eindeutig: „Die Behauptungen, es handele sich um sich illegal aufhaltende Personen, entsprechen nicht der Wahrheit – sie erfüllten die Einreise- und Aufenthaltsbedingungen auf dem Gebiet der Republik Polen”. Die Beamten der Seegrenzschutzabteilung bestätigten die Gültigkeit der litauischen Aufenthaltstitel.
Der Fall fügt sich in den breiteren Kontext der Spannungen an der polnisch-deutschen Grenze ein. Seit Juli 2025 unterhält Polen im Zusammenhang mit der illegalen Migration vorübergehende Grenzkontrollen zu Deutschland und Litauen. Die Deutschen wiederum schieben regelmäßig Personen nach Polen ab, die ihrer Ansicht nach die Grenze aus Polen illegal überschritten haben. Im Jahr 2024 erreichte die Zahl solcher Fälle nahezu 9.700.
Warum also wurde eine Familie mit litauischen Aufenthaltstiteln als „illegale Migranten” eingestuft und ausgerechnet nach Polen zurückgeschickt? Warum haben die Deutschen keinen Kontakt zu Litauen aufgenommen? Auf diese Fragen gibt es bislang keine Antworten. Der polnische Grenzschutz betont, rechtmäßig gehandelt und Personen aufgenommen zu haben, die die Voraussetzungen für einen legalen Aufenthalt auf unserem Gebiet erfüllten.
Der Vorfall in Lubieszyn steht nicht allein, doch diesmal wurde er in Echtzeit dokumentiert und öffentlich gemacht. Er zeigt nicht nur die Probleme bei der Koordination der Grenzbehörden in der EU, sondern auch die wachsenden Spannungen in den polnisch-deutschen Beziehungen im Kontext der Migrationspolitik. Berlin, das noch vor kurzem eine Politik des „Herzlich Willkommen” propagierte, schiebt heute massenhaft Migranten in Nachbarstaaten ab. Währenddessen wird Polen, obwohl es selbst mit Migrationsdruck an der Ostgrenze zu kämpfen hat, gezwungen, Personen aufzunehmen, deren rechtlicher Status Zweifel aufwirft.
[Autorin Aleksandra Fedorska ist Journalistin für Tysol.pl und zahlreiche polnische und deutsche Medien]
[Titel, Abschnitt „Was man wissen muss”, „Was bedeutet das für Polen” und FAQ, sowie einige Zwischentitel und Lead von der Redaktion]