In Deutschland wird über eine Reform des privaten Rentensystems diskutiert, die die kapitalgedeckte Säule stärken soll. Ein Bericht von Deutsche Bank Research vom März 2026 betont, dass das aktuelle Umlageverfahren (Pay-as-you-go) aufgrund der Alterung der Gesellschaft an seine Grenzen stößt. 2024 sank die Geburtenrate auf 1,35 Kinder pro Frau – den niedrigsten Wert seit 20 Jahren. Bis 2035 wird die Zahl der Personen über dem Rentenalter von 17,6 Mio. (20 % der Bevölkerung) auf 20 Mio. (24 %) steigen. 2040 werden auf einen Rentner nur noch zwei Beitragszahler kommen, im Vergleich zu derzeit 2,5. Der Bundeshaushalt schießt bereits jetzt 128 Mrd. Euro jährlich zur Rentenversicherung zu, was 24 % der Ausgaben entspricht.
Die Reform soll die dritte Säule (private Altersvorsorge) attraktiver, transparenter und renditeorientierter machen. Das bisherige Riester-Modell, eingeführt 2001, weist zahlreiche Schwächen auf: niedrige Renditen (nominal 3 %, real oft negativ), hohe Kosten und mangelnde Transparenz. Die Beitragsgarantie schränkt Investitionen in riskante, aber renditestarke Anlagen ein. Die Zahl der Riester-Verträge sank von 16 Mio. im Jahr 2017 auf derzeit 15 Mio., wobei 20–25 % keine Einzahlungen erhalten. Etwa 61 % der Deutschen haben keinen privaten Rentenvertrag, und Kapitaleinkünfte machen nur 10 % der Rente aus, verglichen mit 23 % in den USA.
Die von der Bundesregierung vorgeschlagene Neuheit ist das „Altersvorsorgedepot". Es ermöglicht Investitionen ohne Garantie (bis zu 100 % in Aktien, Risikoklasse 5), neben Optionen mit einer Garantie von 80–100 % der Beiträge. Die Kosten des Standardprodukts werden auf 1,5 % jährlich begrenzt, mit der Möglichkeit eines kostenlosen Anbieterwechsels nach 5 Jahren. Steuerliche Vorteile: Einzahlungen bis zu 1.800 Euro steuerfrei, zuzüglich staatlicher Zulagen (30 % für Einzahlungen bis 1.200 Euro, 20 % darüber). Für Personen unter 25 Jahren ein einmaliger Bonus von 200 Euro. In der Auszahlungsphase Flexibilität: lebenslange Rente oder bis zum 85. Lebensjahr.
Die Reform kann Vorteile bringen, denn Deutsche sparen 20 % ihres Einkommens (höher als der EU-Durchschnitt von 13,2 %), aber 65 % der Vermögenswerte sind Einlagen und Versicherungen mit niedrigen Renditen. Aktien erzielten zwischen 2003 und 2025 eine nominale Rendite von 767 %, gegenüber 26 % bei Einlagen.
Schätzungsweise kann die Reform 8 Mrd. Euro zusätzlicher Investitionen in europäische Aktien pro Jahr generieren und damit die Investitionslücke der EU verringern. Deutsche Privathaushalte verfügen über Finanzaktiva in Höhe von 209 % des BIP (EU-Durchschnitt 214 %), aber weniger als Schweden (347 %) oder Dänemark (369 %).
Internationale Vergleiche: Schweden (obligatorische Prämienrente, 46 % des BIP AuM) erzielt 11,5 % Rendite jährlich dank 100 % Aktienanteil bis zum 55. Lebensjahr. USA (IRA, 54 % des BIP) und Großbritannien (21 % des BIP) bieten niedrige Kosten (0,49–0,57 %). Polen (PPK, Auto-Enrolment) hat eine Teilnahmequote von 57 %, Estland 13 % mit einem Steuervorteil von 22 %.