Der deutsche Fernverkehr ICE, dominiert von der Deutschen Bahn (DB), könnte bald zum Schauplatz eines erbitterten Wettbewerbs mit den Italienern werden. Zwei italienische Unternehmen – die staatliche Trenitalia und die private Italo – planen den Einstieg in den Hochgeschwindigkeitsmarkt in Deutschland. Das verspricht milliardenschwere Investitionen, häufigere Verbindungen und Tausende neue Arbeitsplätze in Deutschland.
Die ambitionierten Pläne der italienischen Betreiber kamen nach einer Veröffentlichung der „Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) ans Licht. Die Firma Italo hat bereits eine hundertprozentige Tochtergesellschaft in Deutschland gegründet und im Oktober einen Antrag auf eine Eisenbahnlizenz gestellt. Italo will rund eine Milliarde Euro in 30 bis 40 Hochgeschwindigkeitszüge investieren und Verbindungen innerhalb Deutschlands betreiben. „Das ist ein Schritt zu mehr Wettbewerb, der Preise senken und den Service verbessern kann" – kommentiert die FAZ und verweist auf das erfolgreiche italienische Modell.
Italo, bekannt für seine roten Züge, die mit 300 km/h über die Gleise rasen, sieht in Deutschland einen lukrativen Markt. Derzeit kontrolliert die DB 95 Prozent des Fernverkehrssegments, mit wenigen Ausnahmen wie dem privaten Flixtrain. Der italienische Betreiber fordert jedoch von der Bundesregierung 15-jährige Rahmenverträge für den Zugang zu den Gleisen, um Investitionen sicher planen zu können. Die Entscheidung liegt bei der Bundesnetzagentur und den Politikern. Hier könnten die Pläne ins Stocken geraten. Der Hauptsitz von Italo in Rom kommentiert keine Details, aber Branchenquellen deuten darauf hin, dass die ersten Verbindungen die Strecken Berlin–München oder Hamburg–Frankfurt betreffen könnten.
Für Fahrgäste ist das die Chance auf eine echte Alternative. In Italien teilen sich Italo und Trenitalia den Markt zu gleichen Teilen – seit 2012, als die Liberalisierung Wettbewerb ermöglichte. Der Effekt ist positiv. Tickets wurden um bis zu 20 Prozent günstiger, es wurden mehr Verbindungen eingerichtet und die Pünktlichkeit verbessert. „Das kann auch in Deutschland funktionieren" – betont die FAZ. Italo plant nicht nur inländische Strecken, sondern auch die Ausweitung internationaler Verbindungen, etwa von Mailand nach München.
Parallel dazu plant auch die staatliche Ferrovie dello Stato (FS) mit Trenitalia eine Expansion in Deutschland. Das Unternehmen erwägt den Kauf von 50 Hochgeschwindigkeitszügen für den deutschen Markt. Trenitalia ist in Deutschland bereits über die Tochtergesellschaft Netinera präsent, die regionale Verbindungen betreibt, und TX Logistik ist im Güterverkehr tätig. CEO Stefano Donnarumma macht aus seiner Begeisterung kein Geheimnis: „Wir sind sehr erfreut, dass die neue DB-Chefin eine Italienerin ist – Evelyn Palla." Das ist eine subtile Verbeugung Richtung Berlin, wo seit Kurzem eine italienische Managerin das Sagen hat.
Trenitalia sieht mit seiner Frecciarossa-Flotte Potenzial in der Integration mit dem bestehenden Netz. Die Pläne umfassen „vorläufige Marktstudien" – wie die FAZ enthüllt – mit dem Schwerpunkt auf rentablen Strecken. Die Investitionen könnten mehrere Milliarden Euro erreichen und Tausende neue Arbeitsplätze schaffen. „Deutschland ist ein wichtiger Markt" – fügt Donnarumma hinzu und signalisiert, dass die Entscheidungen bald fallen werden.
Die DB, die mit chronischen Verspätungen und milliardenschweren Verlusten kämpft, verliert an Boden. Im Jahr 2024 kamen gerade einmal 65 Prozent der ICE-Züge pünktlich an, Fahrgäste klagen über hohe Preise und Probleme mit den Zügen. Konkurrenz aus dem Süden könnte mehr Angebote und bessere Qualität bringen.
Doch die Herausforderungen bleiben. Die deutsche Infrastruktur ist veraltet: Die Gleise sind nicht immer für Züge mit 300 km/h geeignet, und die Bürokratie verzögert Genehmigungen. Die Bundesnetzagentur muss die Interessen abwägen – Netzzugang ohne Bevorzugung der DB. Politiker, darunter die Grünen und die SPD, befürworten die Liberalisierung, doch die Eisenbahnlobby warnt vor „Chaos". „Das ist eine Chance auf Erleichterung für die Bahnfahrer" – resümiert die FAZ und sieht darin ein „Licht am Ende des Tunnels".
Der Einstieg von Italo und Trenitalia in den deutschen Markt fügt sich in die EU-Politik des offenen Eisenbahnmarktes ein. Die Richtlinie 2012/34/EU schreibt freien Zugang zu den Gleisen vor, was in Italien gelungen ist, da der Markt um 30 Prozent gewachsen ist. Deutschland könnte mit seinem dichten Verbindungsnetz nachziehen und es Italien gleichtun – insbesondere nach der Pandemie, als der Personenverkehr um 15 Prozent zunahm.
Für deutsche Umweltschützer bedeuten mehr Züge weniger Autos und Flugzeuge. Ökonomen schätzen, dass der Wettbewerb auf deutschen Gleisen zu Preissenkungen von 10 bis 15 Prozent führen wird und Millionen neuer Fahrgäste anlockt. Wird das italienische Duo das deutsche Monopol brechen? Die Pläne sind fortgeschritten, aber nicht endgültig. Die Fahrgäste warten voller Hoffnung – auf günstigere Tickets und weniger Frust. Wie Business Insider kommentiert: „Der deutsche Schienenverkehr könnte bald bunter und wettbewerbsfähiger werden".