Das Bundesministerium für Auswertige Angelegenheiten hat Visumstatistiken für russische Staatsbürger bekannt gegeben. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 27.300 Schengen-Visa ausgestellt – ein Anstieg um etwa 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2023: 20.800). Auf das Jahr 2025 entfielen indes bereits 17.600 Visa zur Jahreshalbzeit. Wenn sich diese Tendenz fortsetzt, wird diese Zahl Ende des Jahres das Niveau aus der Vorkriegszeit erreichen oder es sogar überschreiten.
Die neuesten Daten weisen auf eine schrittweise Rückkehr russischer Touristen auch in andere Länder Europas hin, trotz der anhaltenden geopolitischen Spannungen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und den Sanktionen gegen Russland. Nach dem starken Rückgang der Ankünfte 2022, verursacht durch Visumbeschränkungen und Flugeinschränkungen, wurde 2024 ein deutlicher Anstieg der Zahl russischer Gäste in ganz Europa verzeichnet.
Laut Daten von Eurostat stieg die Zahl russischer Touristen in der Europäischen Union 2024 um 30 % gegenüber dem Vorjahr, obwohl sie weiterhin unter dem Niveau vor der Pandemie und dem Krieg liegt. In Deutschland, das vor 2022 ein beliebtes Ziel für Russen war, stieg die Zahl der Übernachtungen von Touristen aus Russland um 25 % gegenüber 2023. Am häufigsten besuchen sie Städte wie Berlin, München und Frankfurt sowie Tourismusregionen wie Bayern oder den Schwarzwald. Die Statistiken zeigen, dass die Russen 2024 in Deutschland etwa 1,2 Millionen Übernachtungen in Anspruch nahmen, was die Hälfte des Werts von 2019 ausmacht.
Berlin ist das Hauptreiseziel für russische Touristen. Attraktionen wie der Reichstag, das Brandenburger Tor, die Museumsinsel und das pulsierende Nachtleben locken viele Besucher an. Außerdem hat Berlin eine große russischsprachige Gemeinschaft, was russischen Touristen den Aufenthalt erleichtert. Schätzungen zufolge gaben russische Touristen 2024 in Deutschland zwischen 180 und 240 Mio. Euro aus, unter der Annahme, dass sie sich 2024 in Deutschland zwischen 1,2 Mio. und 200 Mio. Euro aufhielten. Diese Zahlen sind deutlich niedriger als vor der Pandemie und dem Krieg in der Ukraine (2019: ca. 300–400 Mio. Euro). Die Ausgaben konzentrieren sich in Städten wie Berlin und München sowie in Kurorten wie Baden-Baden, wo wohlhabende Touristen und Gesundheitstourismus die Hauptrolle spielen.
Der Anstieg der Zahl russischer Touristen ergibt sich aus mehreren Faktoren. Erstens hat die Lockerung einiger Visumbeschränkungen in EU-Ländern Reisen erleichtert, obwohl der Prozess der Schengen-Visumerteilung kompliziert bleibt. Zweitens nutzen viele Russen indirekte Reisewege, etwa über die Türkei, Dubai oder Serbien, die Flugverbindungen mit Russland aufrechterhalten. Gesundheitstourismus, vor allem in deutschen Kurorten und Kliniken, sowie Verwandtenbesuche spielen eine zentrale Rolle. Ein Teil der Touristen sind wohlhabende Personen, die sich teure Reisen trotz Sanktionen und der Schwächung des Rubels leisten können.
Die Rückkehr russischer Touristen weckt gemischte Gefühle. In Deutschland freuen sich einige Hoteliers und Vertreter der Tourismusbranche über zusätzliche Einnahmen, vor allem nach den schwierigen Pandemiejahren. In der öffentlichen Meinung löst das Thema jedoch eine Debatte aus. Organisationen, die die Ukraine unterstützen, kritisieren die Aufnahme russischer Touristen und weisen auf das moralische Dilemma in Zeiten des andauernden Konflikts hin. Die deutschen Behörden hingegen betonen, der Tourismus sei für alle offen, die das Recht achten, und jeder Visumfall werde sorgfältig geprüft.