Laut Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis), veröffentlicht am 13. März 2026, wurden in Deutschland genau 24.064 Unternehmensinsolvenzen registriert. Das ist ein Anstieg um 10,3 Prozent im Vergleich zu 2024 und der höchste Stand seit 2014, als 24.085 solcher Fälle verzeichnet wurden.
Dieser Trend ist äußerst beunruhigend, zumal die Zahl der Insolvenzen in den beiden Vorjahren bereits um jeweils über 22 Prozent jährlich gestiegen war. Insgesamt verzeichnet dieser Wert seit 2023 dynamische Zuwächse und trifft derzeit vor allem kleine und mittlere Unternehmen. Die Gläubigerforderungen beliefen sich 2025 auf 47,9 Mrd. Euro – weniger als im Vorjahr (58,1 Mrd. Euro). Dieser Rückgang resultiert aus einer geringeren Zahl sehr großer Insolvenzen – ein Minus von 15,6 Prozent bei Forderungen über 25 Mio. Euro.
Experten nennen mehrere Schlüsselfaktoren für die deutsche Insolvenzwelle. Erstens die Rezession. Das Wirtschaftswachstum Deutschlands lag in den letzten Jahren bei lediglich 0,2 Prozent. Hohe Energiekosten sind ein weiteres Dauerproblem der vergangenen Jahre. Deutschland, das nach 2022 den Import russischen Gases drastisch reduzierte, zahlt nach wie vor einen hohen Preis für die Energiewende und die grüne Agenda.
Ein zusätzlicher Faktor waren die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Der Konflikt unter Beteiligung des Iran führte 2025 zu sprunghaften Anstiegen der Rohölpreise (um bis zu knapp 30 Prozent in kurzer Zeit) sowie zu neuen Bedrohungen für globale Lieferketten. Volker Treier, Chefanalyst des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), stellte unverblümt fest: „2025 war ein außerordentlich schwaches Jahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland.\"
Christoph Niering wiederum, Vorsitzender des Verbandes Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID), betont, dass die Zahlen zwar steigen, aber nach wie vor weit unter den Niveaus früherer großer Krisen liegen.
Die Prognosen für das laufende Jahr sind nicht besonders optimistisch. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) schätzt, dass bei einer raschen Beendigung des Konflikts im Nahen Osten und sinkenden Energiepreisen die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um etwa 3,7 Prozent auf rund 23.100 Fälle sinken könnte. Die Verbraucherinsolvenzen könnten dann um 1 Prozent zurückgehen (auf 76.500).
Besonders gefährdet bleiben die Automobil- und die Gesundheitsbranche. Sollten die Energiepreise auf hohem Niveau verharren, könnte sich der Trend fortsetzen oder sogar verschärfen.
Die Schwäche der größten Volkswirtschaft Europas hat weitreichende Folgen. Deutschland ist Polens wichtigster Handelspartner, und Probleme beim westlichen Nachbarn bedeuten ein direktes Risiko für den polnischen Export, insbesondere in der Automobil-, Maschinen-, Bau- und Logistikbranche. Gleichzeitig kann die Krise in Deutschland den Nearshoring-Prozess beschleunigen, da ein Teil der Unternehmen die Produktion näher verlagert – auch nach Polen –, was uns die Chance bietet, unsere Position in den Lieferketten zu stärken. Dieser Trend fügt sich nahtlos in das breitere Bild der Relokalisierung deutscher Produktion ein. In der multipolaren Ordnung scheint Europa und insbesondere Deutschland zu den größten Verlierern der gegenwärtigen Transformation zu gehören. Während Indien, China, Brasilien oder Rohstoffländer des Globalen Südens an Flexibilität und Zugang zu günstigen Rohstoffen gewinnen und die USA ihr eigenes, stärker protektionistisches Spiel spielen, verliert das deutsche Modell, das auf billiger Energie aus Russland, Exporten nach China und grenzenloser Globalisierung basierte, zunehmend an Boden.
Deindustrialisierung, astronomische Kosten der Klimatransformation, demografische Krise und Abhängigkeit von der Stabilität globaler Lieferketten – all das führt dazu, dass Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit verliert.
Die Rekordzahl an Insolvenzen im Jahr 2025 ist weder Zufall noch vorübergehende Konjunkturschwankung. Sie ist ein Symptom einer tiefgreifenden Strukturkrise der deutschen Wirtschaft, die in eine neue Ära der Schwäche eintritt.