Im März 2026 veröffentlichte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) einen Bericht über die Zusammenarbeit zwischen der zivilen Wirtschaft und der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Das auf einer Umfrage unter 143 Unternehmen verschiedener Branchen (Luftfahrt, Elektronik, Maschinen, Automobilindustrie, Metallurgie) und Größen basierende Dokument zeichnet ein beunruhigendes Bild der deutschen Wirtschaft in Zeiten wachsender geopolitischer Bedrohungen.

BDI-Präsident Peter Leibinger diagnostiziert das Problem:

- „Sicherheitspolitik braucht Industrie, und Industrie braucht Sicherheitspolitik. Resilienz entsteht aus dieser strategischen Symbiose sowie einem leistungsfähigen industriellen Ökosystem.“

Aus dem Bericht geht jedoch hervor, dass diese Symbiose in Deutschland kaum existiert.

- „Der Verteidigungsboom hat keine breite Ausstrahlung: 24 Prozent der Befragten nehmen keinerlei Effekte wahr, und nur 6 Prozent erzielen regelmäßige Einnahmen.“

Trotz der gewaltigen Verteidigungsausgaben in Deutschland und ganz Europa nach dem russischen Überfall auf die Ukraine sind die Auswirkungen verschwindend gering. Nur 6 Prozent der befragten Unternehmen erzielen regelmäßige Einnahmen aus dem Verteidigungssektor. Für 24 Prozent der Unternehmen bringt der Anstieg der Rüstungsausgaben keinerlei Vorteile. Weitere 24 Prozent spüren sie nur in geringem Maße. Gleichzeitig sehen über 80 Prozent der befragten Unternehmen großes Potenzial in Dual-Use-Technologien (zivil-militärisch). Viele von ihnen behaupten, dass sie mit relativ geringen Kosten in dieses Segment einsteigen könnten.

Die von den Unternehmen des deutschen Industriesektors genannten Hauptbarrieren sind:

Die Unternehmer beklagen sich über extrem komplizierte Ausschreibungen, langwierige Zertifizierungen, langsame Sicherheitsüberprüfungsverfahren sowie einen Mangel an langfristiger Beschaffungsplanung seitens des Staates. Die deutsche Verteidigungsindustrie (BDI) benennt klar, was ihre Entwicklung blockiert, und fordert eine Vereinfachung und Beschleunigung der Ausschreibungsverfahren (75 Prozent), eine langfristige, rationale Planung der Rüstungsbeschaffung (69 Prozent), eine dauerhafte und effektive Zusammenarbeit zwischen Staat, Militär und Industrie (69 Prozent) sowie eine deutliche Vereinfachung der Zertifizierung und der Ausschreibungen (62 Prozent), da diese für viele Unternehmen schlichtweg unverständlich und zu spezialisiert sind.

Der Bericht fügt sich zudem in das breitere Bild einer schwächelnden deutschen Wirtschaft ein. Nach Jahren wirtschaftlicher Stagnation steht die Industrieproduktion weiterhin unter dem Druck hoher Energiekosten, Fachkräftemangels und geopolitischer Unsicherheit. Cyberangriffe und Sabotage an der Infrastruktur kosten die deutsche Wirtschaft Hunderte Milliarden Euro pro Jahr. In einer solchen Situation ist die Unfähigkeit, das Potenzial des Verteidigungssektors zu nutzen, nicht nur ein militärisches, sondern ein strategisches und wirtschaftliches Problem. Deutschland riskiert einen weiteren Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und technologischer Souveränität.

[Die Autorin Aleksandra Fedorska ist Journalistin bei Tysol.pl sowie zahlreichen polnischen und deutschen Medien]

[Titel, Rubrik „Was Sie wissen müssen“, teilweise „Was das für Polen bedeutet“ sowie einige Zwischenüberschriften und der Vorspann von der Redaktion]