Die deutsche Arbeitsethik und die generationenübergreifende Tradition, einst Fundamente der europäischen Wirtschaft, bröckeln heute vor unseren Augen und weichen der brutalen Marktrealität sowie strategischen Fehlentscheidungen. Das Beispiel der Firma OKA Büromöbel, eines Herstellers von Büromöbeln, ist in diesem Kontext geradezu lehrbuchhaft und schmerzhaft. Wie die „Sächsische Zeitung“ berichtet, wurde das Unternehmen, dessen Wurzeln bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen, gezwungen, beim Gericht in Dresden Insolvenz anzumelden. Das ist das Ende einer gewissen Epoche – die Firma überstand Kriege und systemische Wirren, um schließlich im Aufeinandertreffen mit modernem Management zu unterliegen, das statt Stabilität eine finanzielle Katastrophe brachte. Am ironischsten an dieser ganzen Geschichte ist die Tatsache, dass das, was Rettung und Weg zur Kostenoptimierung sein sollte, zum Sargnagel des sächsischen Herstellers wurde.

Hauptschuldiger an dieser spektakulären Niederlage erwies sich eine gigantische Investition in Polen, konkret in der Ortschaft Wykroty. Auf 125.000 m² sollte ein modernes Produktionszentrum entstehen, das dem Unternehmen dank niedrigerer Kosten ermöglichen sollte, durchzuatmen. Die Realität erwies sich jedoch als gnadenlos, denn die enormen finanziellen Aufwendungen führten anstatt Gewinne zu generieren zum Verlust der finanziellen Liquidität des gesamten Unternehmens. Es ist ein gewisses Paradox – die Flucht vor den deutschen Kosten in Richtung der polnischen Grenze endete mit einem finanziellen Selbstmord. Schlimmer noch, im gesamten Restrukturierungsprozess treten in den Vordergrund nicht die Schicksale der entlassenen Mitarbeiter, sondern eine Armee von Beratern und Anwälten aus prestigeträchtigen Kanzleien wie White & Case.

Die Lage der über 200 Mitarbeiter ist beklagenswert. Berichten des Portals „Sächsische Zeitung“ zufolge wurden diese Menschen nach Hause geschickt, und ihre Zukunft hängt am seidenen Faden, während der Vorstand die „Fortführung des Geschäfts“ zusichert. Es ist schwer, sich des Eindrucks zu erwehren, dass die polnische Investition, die zunächst als Chance behandelt wurde, für OKA zu einer Belastung wurde, die nicht zu schultern war. In einer Welt, in der die Büros leerer werden und die Nachfrage nach teuren Büromöbeln drastisch sinkt, war das Anpacken so kolossaler Bauprojekte eine schlichte Verrücktheit, für die jetzt den höchsten Preis die einfachen Handwerker zahlen.

Der Untergang von OKA ist ein Symbol der breiteren Krise des deutschen Mittelstands, der sich zwischen Tradition und aggressiver Globalisierung verliert. Die Jagd nach Einsparungen geht hier zulasten der Stabilität auf dem eigenen Hof. Wenn Firmen mit einer solchen Geschichte das Gewicht der eigenen Ambitionen auf den Nachbarmärkten nicht tragen können, dann zeichnet sich die Zukunft der deutschen Industrie in dunkleren Farben ab, als die Beamten in Berlin oder Dresden zugeben möchten.