Die Deutschen haben einen Leistungstest der deutschen Bundeswehr-Brigade in Litauen durchgeführt. Die Methode hat ihre Wurzeln im preußischen Kriegsspiel des 19. Jahrhunderts, das topografische Karten und Spielelemente nutzte, um militärische Strategien zu üben.
Das moderne „Kriegsspiel“ ist eine Simulations- und Trainingsmethode, die strategische, operative oder taktische Szenarien simuliert, um Fähigkeiten in Entscheidungsfindung, Planung und Führung zu trainieren.
Die Panzerbrigade 45, die unter deutschem Kommando in Litauen stationiert ist, soll laut deutschem Verteidigungsministerium bis Ende 2027 die volle Kampffähigkeit erreichen, gemäß dem zwischen Berlin und Wilna vereinbarten Zeitplan.
Schlüsselelement ist der mobile Befehlsstab – das „Gehirn“ der Brigade, der voll einsatzfähig sein muss, ausgerüstet mit entsprechendem Personal, sicheren Kommunikationstechnologien sowie mit den NATO-Standards übereinstimmenden Prozessen. Doch das von der Bundeswehr durchgeführte „Kriegsspiel“ offenbarte eine Reihe von Schwächen, die dringender Änderungen bedürfen.
Die Brigade muss im Falle eines russischen Angriffs auf Litauen fließend mit anderen NATO-Staaten zusammenarbeiten können. Wie Oberst Thomas Zimmermann betont, stellvertretender Leiter der Abteilung Einsatzbereitschaft im Verteidigungsministerium, zitiert vom deutschen Medium Table.Media.
Das Kriegsspiel zeigte, dass die aktuellen Führungsprozesse wirksam sind, weitgehend dank der Erfahrungen mit der multinationalen Battle Group in Litauen seit 2017 im Rahmen der „enhanced Forward Presence“. Doch Sprachbarrieren bleiben ein Problem – viele Soldaten haben Schwierigkeiten, fließend Englisch zu sprechen, was sie zwang, während der Simulation auf Deutsch umzuschalten.
Eines der schwerwiegendsten Probleme ist der zu große „elektromagnetische Fußabdruck“ der IT-Systeme der Brigade. Die russische Funkaufklärung, wirksam dank Techniken zur Störung und Fälschung von Signalen, kann jeden Funksender, jedes Satelliten- oder Richtfunkverbindung leicht orten.
„Die aktuelle [elektronische] Ausrüstung macht uns zu einem leichten Ziel für die russische Artillerie“
– warnt Zimmermann im Gespräch mit Table Media. Lösung soll die Vergrößerung des Abstands zwischen Sendern und Stab sein, der Einsatz von Kabeln statt Funkverbindungen, wo möglich, sowie die Nutzung schwerer zu erkennender Übertragungsformen. Das Kriegsspiel, das die Aktivitäten des Gegners auf Grundlage der Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine simulierte, hat gezeigt, dass diese Änderungen dringend nötig sind.
Auch die IT-Unterstützungsprozesse, die einst in Afghanistan wirksam waren, haben in Litauen die Prüfung nicht bestanden. Das dortige Modell, basierend auf Tickets und langen Verfahren, bewährt sich nicht in Kriegsbedingungen gegen Russland, wo der Kommandant schnelle, autonome Entscheidungen auf dem Schlachtfeld treffen muss. Die IT-Systeme der deutschen Brigade müssen vereinfacht und autonom sein.
Eine weitere Herausforderung sind Unterschiede bei den Sicherheitsstandards. Das deutsche System der Dokumentenklassifizierung (z. B. „VS-NfD“ – nur für den Dienstgebrauch) ist nicht kompatibel mit dem litauischen, das nur zwischen „öffentlich“ und „geheim“ unterscheidet. In Deutschland als verschlusssache eingestufte Dokumente müssen für die Kommunikation innerhalb der Allianz auf das Niveau „NATO Secret“ gehoben werden, was zusätzlichen administrativen Aufwand verursacht und das Risiko der Entdeckung erhöht.
Für die Deutschen lautet die Schlüsselfrage laut Zimmermann: Wo soll der Befehlsstab im Kriegsfall platziert werden? Die Deutschen erwägen sogar die Verlegung des dem Brigadestab übergeordneten Divisionshauptquartiers außerhalb Litauens – etwa nach Polen oder nach Deutschland.
Die deutsche Brigade wartet weiterhin auf Schlüsselausrüstung und Personal, einschließlich der gepanzerten Führungsfahrzeuge GTK Boxer mit digitalen Funkgeräten, die in den nächsten Wochen eintreffen sollen. Bis Jahresende sollen rund 500 Soldaten in Litauen stationiert sein, doch die vollständige Verlegung der zwei Panzerbataillone aus Deutschland ist erst für 2026 geplant, vorausgesetzt, dass die entsprechende Infrastruktur – Kasernen und Truppenübungsplätze, die von litauischer Seite gebaut werden – vorbereitet ist. Das Kriegsspiel hat bestätigt, dass die aktuellen Ausrüstungsbestellungen überprüft werden müssen, um der Brigade die volle Kampffähigkeit zu sichern. – Die Zeit für Änderungen im Beschaffungsprozess geht bereits zu Ende – bemerkt Zimmermann.