Die deutsche Wirtschaft, lange als Lokomotive Europas angesehen, steht derzeit vor gravierenden Problemen. Das bloße „Made in Germany" reicht nicht mehr aus, um auf der Welt wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig erhöhen die von den Vereinigten Staaten verhängten Zölle den Druck auf den Exportsektor, der die Grundlage des deutschen Wirtschaftswachstums bildet, noch weiter.
„Made in Germany" symbolisiert seit Jahrzehnten Qualität und Zuverlässigkeit, reicht jedoch nicht mehr aus, um die höheren Preise zu rechtfertigen, die man für deutsche Produkte zahlen muss. Verbraucher wählen immer häufiger günstigere Alternativen aus China, Indien oder anderen europäischen Ländern, die eine vergleichbare Qualität bieten. Matthias Metz, Vorsitzender von Bosch Siemens Hausgeräte (BSH), betont in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), dass die Kunden nicht bereit sind, mehr für deutsche Produkte zu zahlen, wenn die asiatische Konkurrenz Waren gleicher Qualität anbietet.
Am stärksten von der Krise betroffen ist das verarbeitende Gewerbe. BSH schließt die Werke in Nauen und Bretten. Rund 1400 Mitarbeiter werden ihren Arbeitsplatz verlieren. Trotz der Automatisierung und Rentabilität dieser Werke entschied sich BSH für die Schließung, da chinesische Konkurrenten wie Midea, Haier oder Gree dank deutlich niedrigerer Stahl-, Energie- und Lohnkosten aggressiv in Europa expandieren. Zusätzliche regulatorische Belastungen, wie das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und der EU-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), verschlechtern die Lage der deutschen Hersteller.
Globaler Wettbewerb und geopolitische Unsicherheit machen die Situation für Deutschland geradezu dramatisch. BSH reagiert darauf mit einem Netzwerk von fast 40 Fabriken weltweit, darunter in Mexiko und den USA, um Trumps Zölle zu umgehen. Dennoch plant das Unternehmen, weltweit 3500 Stellen abzubauen, davon 1000 in Deutschland, und warnt vor weiteren Kürzungen, falls sich die Märkte nicht stabilisieren.
Ein weiteres brennendes Problem für deutsche Unternehmen ist der Exportrückgang in die Vereinigten Staaten – den wichtigsten Übersee-Markt Deutschlands. Von Januar bis November 2025 sank der Export um 9,4 % auf 135,8 Milliarden Euro. Die Importe aus den USA stiegen hingegen um 2,2 % auf 86,9 Milliarden Euro. Die Zollpolitik von Präsident Trump hat den amerikanischen Markt von einem starken Wachstumsmotor in ein ernstes Risiko für Deutschland verwandelt.
Am stärksten betroffen war der Automobilsektor, wo der Export von Fahrzeugen und Teilen um 17,5 % auf 26,9 Milliarden Euro sank. Auch der Maschinenbau verzeichnete einen Rückgang von 9 % auf rund 24 Milliarden Euro, während der Pharmabereich leicht zulegte. Ökonomen rechnen mit einer anhaltenden Schwäche selbst im Falle einer Beilegung der Streitigkeiten, da die Unsicherheit Investitionen hemmt.
Die deutsche Wirtschaft muss sich anpassen, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Bosch-Manager Metz fordert den Abbau bürokratischer Eingriffe, um die soziale Marktwirtschaft neu zu beleben. Im Exportbereich zwingt der Handelskonflikt die Deutschen zur Suche nach neuen Märkten, doch sie beharren darauf, dass ihre Untersuchungen zeigen, dass die Zölle den Vereinigten Staaten selbst am meisten schaden – 96 % der Kosten tragen die amerikanischen Käufer.