Die Bundeswehr zählt heute rund 180.000 Soldaten, das Defizit erreicht sage und schreibe 80.000. Die neuen NATO-Ziele – 5 % des BIP für Verteidigung – erfordern Veränderungen. Der demografische Rückgang und die Aussetzung der Wehrpflicht 2011 verschärfen das Problem. Währenddessen haben 30 % der Deutschen einen Migrationshintergrund, darunter sage und schreibe 2 Millionen Junge (15–24 Jahre) mit deutscher Staatsangehörigkeit. Das ist ein bislang nicht ausgeschöpftes Potenzial – ihr Anteil an der Armee beträgt lediglich 8,9 %, geringer als in der Verwaltung (16,2 %).

Das SVR-Integrationsbarometer 2024 (15.000 Befragte) offenbart: 77 % der Migranten vertrauen der Bundeswehr „voll“ oder „eher“ – um 9 Prozentpunkte mehr als Deutsche ohne Migrationshintergrund (68 %). Der Unterschied ergibt sich daraus, dass in der ersten Generation (78 %) das Vertrauen äußerst hoch ist, während die zweite Generation sich dem Rest angleicht (67 %).

Das höchste Vertrauen haben Personen aus Nicht-EU-Staaten (84 %), dann aus der EU (74 %), Türken (69 %) und Aussiedler (68 %). Deutsche mit Migrationsgeschichte vertrauen der Bundeswehr zu 70 %, vor allem die Jungen (81 % bei den 15–24-Jährigen). Das ist ein Rekrutierungsvorteil, obwohl die Attraktivität der Armee als Arbeitgeber sinkt (von 40 % im Jahr 2020 auf 32 % im Jahr 2025 laut ZMSBw).

Das erfordert rechtliche Änderungen, doch laut Bericht zeigen die Beispiele Frankreichs oder der USA, dass dies „viele Vorteile bringen kann“. Die Bundeswehr soll gegen Extremismus kämpfen (275 Vorfälle 2024) und „Inklusivität aufbauen“. Laut den Verfassern des Berichts beweist der Erfolg bei der Rekrutierung von Frauen (von 1,4 % im Jahr 2000 auf heute 13,6 %), dass Veränderungen möglich sind. Andernfalls droht der deutschen Armee ein Personalmangel und Isolation von der Gesellschaft.

In der Bundeswehr dienen viele Tausend Soldaten mit Migrationshintergrund, darunter Muslime und Personen russischer Abstammung. Ihre Anwesenheit weckt Kontroversen: vom Mangel an Seelsorge bis zu Spionageverdacht. Der SVR-Bericht 2025 hebt das Vertrauen der Migranten in die Armee hervor, doch die Realität ist komplizierter.

Etwa 3.000 Soldaten der Bundeswehr sind Muslime – eine signifikante Zahl, wie Leutnant Hammouti-Reinke betont. Doch seit Jahren fehlt es für sie an Seelsorge, die für Christen und Juden verfügbar ist. 2024 wurde die muslimische Seelsorge in der Bundeswehr eingeführt, doch das ist eine verspätete Lösung. Soldaten wie Shervan Mohamed beten nach dem Dienst und fasten im Ramadan, wenn die Gesundheit es zulässt.

Kontroversen brachen 2011 aus, als der Zentralrat der Muslime Militärimame forderte. Das Gericht in Minden urteilte, für die Scharia in der Armee gebe es keinen Platz. Wehrbeauftragte (der Wehrbeauftragte für die Streitkräfte des deutschen Bundestags – Anm. d. Red.) appellieren seit 10 Jahren für Gleichstellung. Das Fehlen von Seelsorge isoliert die Muslime und vertieft das Gefühl der Ausgrenzung.

Russische Wurzeln in der Bundeswehr sind ein Thema, das vor allem nach der Invasion in der Ukraine Spannungen weckt. Der MAD (deutscher militärischer Abschirmdienst – Anm. d. Red.) warnt zusätzlich vor Spionage.

[Aleksandra Fedorska ist Journalistin von Tysol.pl sowie zahlreichen polnischen und deutschen Medien]

[Abschnitte „Was Sie wissen müssen“ und FAQ sowie Zwischenüberschriften von der Redaktion]

Was ist die „Zeitenwende“ in der deutschen Politik? „Zeitenwende“ ist ein Begriff, den Bundeskanzler Olaf Scholz 2022 zur Beschreibung des Wendepunkts in der deutschen Verteidigungspolitik nach der Aggression Russlands gegen die Ukraine verwendete – er bedeutet die Erhöhung der Militärausgaben und die Modernisierung der Armee.

Warum will Deutschland Einwanderer in die Bundeswehr rekrutieren? Wegen der Alterung der Gesellschaft und des Mangels an Arbeitskräften hat die Bundeswehr Schwierigkeiten, das Ziel von 260.000 Soldaten bis 2035 zu erreichen. Einwanderer, vor allem die junge Generation, stellen eine potenzielle Personalreserve dar.

Was ist das SVR-Integrationsbarometer 2024? Das ist ein Bericht des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR) auf Grundlage von 15.000 Umfragen. Er analysiert das Niveau der Integration von Migranten und ihr Vertrauen in staatliche Institutionen, einschließlich der Armee.

Welche Herausforderungen betreffen Einwanderer in der Bundeswehr? Der Bericht weist u. a. auf das Fehlen muslimischer Seelsorge, kulturelle Spannungen sowie Befürchtungen vor Extremismus und Spionage hin. Gleichzeitig betont er das hohe Vertrauen von Migranten in die Armee.

Dienen in anderen EU-Staaten Ausländer? Ja. Frankreich, Spanien und Großbritannien lassen seit Jahren Ausländer in den Militärdienst zu und betrachten dies als Element der Integration und der Stärkung der Berufsarmee.