Im Februar 2026 wurde Souveränität zum zentralen Schlagwort der deutschen Politik. Wie versteht Deutschland diesen Begriff? Nicht als abstrakte Idee staatlicher Unabhängigkeit, sondern als praktischen Schutz vor externen Abhängigkeiten — insbesondere im Bereich Technologie und Daten.

In Zeiten der Rivalität zwischen Großmächten wie den USA und China ist technologische Souveränität für Berlin eine Frage der nationalen Sicherheit. Eine Analyse der Publikationen des Think-Tanks DGAP sowie der Aussagen von Kanzler Friedrich Merz zeigt, dass Deutschland Souveränität als die Fähigkeit zum eigenständigen Handeln, zur Kontrolle über die Infrastruktur und zur Vermeidung einer strategischen Unterwerfung unter fremde Einflüsse begreift.

Das deutsche Verständnis technologischer Souveränität betont die Notwendigkeit, sich von fremden digitalen Infrastrukturen unabhängig zu machen. Laut dem DGAP-Bericht stellt die strukturelle Abhängigkeit von Cloud-Diensten und Hardware, die nicht von der EU kontrolliert werden, eine kritische Schwachstelle Deutschlands dar. Dies ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine sicherheitspolitische Frage.

Deutschland fürchtet die USA und verweist auf den amerikanischen CLOUD Act, der den USA den Zugriff auf Daten ermöglicht, die von US-Unternehmen gespeichert werden — unabhängig vom Standort. Das chinesische Recht gewährt Peking eine ähnliche Kontrolle über die Daten chinesischer Unternehmen. Dies ermöglicht die Manipulation der Infrastruktur — von kommunalen Diensten bis hin zur Bundeswehr.

Europa sollte sogenannte Vertrauenspartnerschaften aufbauen, doch Deutschland kritisiert das Fehlen einer europäischen Infrastruktur trotz Regulierungen wie der DSGVO oder dem AI Act. Andere Länder wie Indien oder Brasilien entwickeln eigene digitale Ökosysteme, was das Kräfteverhältnis über die Achse USA-China hinaus verschieben könnte. Die Empfehlungen der DGAP umfassen Infrastrukturaudits, Beschaffungsquoten für europäische Anbieter bis 2027 sowie eine Harmonisierung mit Frankreich.

Kanzler Friedrich Merz betrachtet Souveränität als Reaktion auf die leichtfertigen Abhängigkeiten der letzten Jahrzehnte. Im Bundestag erklärte er, die Bundesregierung wolle die technologischen Abhängigkeiten reduzieren, die in den vergangenen Jahren zu leichtfertig eingegangen wurden. Dies ist ein Echo der Debatte über das Risiko, dass Washington Europas Zugang zu Technologien einschränken könnte.

Deutschland versteht Souveränität als praktische Autonomie in einer Welt militarisierter Technologie. Vom Appell Merz' zur Reduzierung der Abhängigkeiten bis zu den DGAP-Empfehlungen — der gemeinsame Nenner ist der Schutz vor dem Einfluss der USA.