Das Land, in dem die Zahl der Deutschlernenden in den letzten Jahren besonders stark zurückgegangen ist, ist Polen. Hier betrug der Rückgang sage und schreibe -15 % seit 2015. In Frankreich hingegen sind Zuwächse von +16 % zu verzeichnen, ähnlich in Russland. In Tschechien sank der Anteil der Deutschlernenden ebenfalls von 44 % (2004) auf 24 % (2020), denn Englisch gilt als zukunftsträchtiger. Außerdem hat sich die kulturelle Attraktivität deutscher Medien wie etwa Filme und Musik im Vergleich zu angelsächsischen Inhalten verringert.

In Afrika ist die Zahl der Deutschlernenden hingegen seit 2015 um fast 50 % gestiegen. Es ist jedoch anzumerken, dass der Ausgangspunkt eine außerordentlich niedrige Zahl solcher Lernenden ist. Länder wie Ägypten oder die Elfenbeinküste zeichnen sich durch starke Zuwächse Deutsch-Interessierter aus. Wachsendes Interesse gibt es auch in Asien, besonders in China. Anders in Nordamerika, wo in den USA 15 % weniger Einwohner Deutsch lernen als noch 2015.

Ob in einem bestimmten Staat die Zahl der Deutschlernenden steigt oder sinkt, hängt vor allem mit der Funktionsweise und den Regelungen des Bildungssystems zusammen. Weltweit sind 90 % der Lernenden dieser Sprache Schüler, also Minderjährige, nur 10 % sind Erwachsene. Das Interesse Erwachsener wird durch berufliche Motive geweckt, etwa den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt, vor allem aufgrund des Gesetzes zur Einwanderung qualifizierter Arbeitskräfte. Im Jahr 2025 wird eine stabile oder leicht wachsende Zahl Erwachsener erwartet, die Deutschkompetenzen erwerben.

In den Bildungssystemen unserer Region Europas dominiert das Erlernen des Englischen als erste Fremdsprache. Laut Eurostat (2022) lernen 96 % der Schüler in der EU Englisch, häufig verpflichtend, während nur 23 % Deutsch wählen – vor allem als zweite oder dritte Fremdsprache. In Ländern wie Polen wird Englisch nach Expertenmeinung bevorzugt und als entscheidend für globale Arbeitsmärkte und globale westliche Popkultur betrachtet, was die deutsche Sprache an den Rand drängt. Hinzu kommt die Frage der Organisation des Fremdsprachenunterrichts in den Schulen. Die Schulen bieten immer weniger Stunden für das Erlernen der zweiten und dritten Fremdsprache, um sich auf Englisch zu konzentrieren.

Zum Nachteil des Deutschen wirkt in unserer Region Europas seit zwei Jahrzehnten die Demografie. In Ländern wie Polen und Rumänien sinkt die Zahl der Schüler aufgrund des sinkenden natürlichen Bevölkerungszuwachses, was die Zahl potenzieller Lernender mengenmäßig begrenzt. Gleichzeitig fehlen qualifizierte Deutschlehrer. In Ungarn meldete das Bildungsministerium 2023 einen sehr deutlichen Mangel an Deutschlehrern, wodurch dieses Fach in vielen Schulen weniger zugänglich wurde. Die ungarische Lehrergewerkschaft (PDSZ) erklärt, dass der Lehrerberuf in Ungarn finanziell wenig attraktiv ist. Laut PDSZ verdienen Lehrer unterhalb des ungarischen Lohnmedians von etwa 1.200 Euro. Im Vergleich dazu bieten Berufe in der Privatwirtschaft oder im Ausland (z. B. in Deutschland) bessere Verdienstmöglichkeiten. Für Deutschlehrer, die oft über ausreichende Qualifikationen für eine Arbeit in deutschsprachigen Ländern verfügen, ist die Auswanderung eine offensichtliche Option. Das führt dazu, dass weniger junge Menschen diesen Beruf in Ungarn ergreifen.

[Aleksandra Fedorska ist Journalistin von Tysol.pl sowie zahlreichen polnischen und deutschen Medien]