Der Bericht der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) vom Dezember 2025 mit dem Titel „Anatomie der Anti-Zeitenwende: Konturen einer AfD-Außenpolitik“, verfasst von Jacob Ross, wirft neues Licht auf die Außenpolitik der Alternative für Deutschland (AfD).

Das 60-seitige Dokument konzentriert sich auf die ideellen Grundlagen der Partei, die immer kühner die liberale internationale Ordnung infrage stellt. Obwohl die AfD oft durch das Prisma der Innenpolitik betrachtet wird, hebt der Bericht ihre Vision einer multipolaren Welt hervor, in der nationale Interessen über universellen Werten stehen. Im Kontext Polens positioniert sich die AfD als Verbündeter der nationalen Souveränität, kritisiert die Europäische Union (EU) und sieht in Warschau einen potenziellen Partner in einem „Europa der Vaterländer“.

Die AfD lehnt, wie aus der Analyse hervorgeht, die derzeitige Außenpolitik Deutschlands ab, die von den Kanzlern Olaf Scholz und Friedrich Merz gefördert wird. Stattdessen setzt die Partei auf „Interessen statt Werte“ – ein Slogan, der bei der Mehrheit der Länder des globalen Südens Anklang findet. Der Bericht weist auf Inspirationen aus dem Postliberalismus hin, die aus Denkern wie Alain de Benoist oder Antonio Gramsci in einer spezifischen rechten Interpretation schöpfen.

In einer multipolaren Welt distanziert sich die AfD vom „kollektiven Westen“ und bevorzugt ein „Europa der Nationen“. Die Partei stellt die EU-Mitgliedschaft immer seltener infrage, fordert aber deren radikale Reform: weniger Integration, mehr Souveränität. Das öffnet die Tür zu Bündnissen mit rechten Parteien in Mittel- und Osteuropa, einschließlich Polens.

Der Bericht bezieht sich direkt auf Polen im Kontext der Konflikte um die Rechtsstaatlichkeit. AfD-Politiker wie Maximilian Krah kritisieren die EU scharf wegen Einmischung in die inneren Angelegenheiten Warschaus und Budapests. Im Streit um den Vorrang des EU-Rechts steht die AfD auf der Seite Polens und Ungarns und argumentiert, die EU überschreite ihre Kompetenzen. Krah forderte 2023 die Ersetzung der derzeitigen Union durch einen „Bund europäischer Nationen“, also in einer von Charles de Gaulle entlehnten Formel. Benedikt Kaiser, Ideologe der AfD, geht weiter. Im Bericht wird sein Szenario einer „konservativen Revolution“ in Mittel- und Osteuropa zitiert. Die ostdeutschen Bundesländer (wie Sachsen oder Thüringen) sollten in diesem Prozess die Avantgarde sein, neben den Staaten der Visegrád-Gruppe: Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn. Die AfD beobachtet mit Genugtuung die guten Beziehungen Ungarn Viktor Orbáns zur Trump-Administration und baut eigene Kontakte in der Region auf – vor allem in Budapest, wo CDU/CSU wegen der „Brandmauer“ (der Mauer zur Abgrenzung von der Rechten) an Einfluss verlieren.

Der Bericht erwähnt auch den breiteren Kontext: Angriffe auf die Demokratie in Polen und Rumänien sind für die AfD ein Beispiel dafür, wie das liberale Establishment politische Alternativen unterdrückt. Die Partei sieht darin eine Parallele zu ihren eigenen Erfahrungen mit dem deutschen Verfassungsschutz.

Die AfD ist eine traditionell prorussische Partei und gewinnt vor allem im Osten Deutschlands an „taktischem Transatlantizismus“. Der Bericht beschreibt, wie die AfD die Sympathie von MAGA (Make America Great Again) für Orbán nutzt, um sich als wahre Brücke zwischen den USA und Mitteleuropa zu positionieren. Polen als wichtiger NATO-Verbündeter könnte von dieser Dynamik profitieren, doch die AfD stellt den „Universalismus“ des Westens infrage, was die Solidarität mit der Ukraine untergräbt – ein heikles Thema für Warschau. Der innere Konflikt in der AfD betrifft die Haltung zu den USA und kann die Beziehungen zu Polen beeinflussen.

Es ist auch zu bedenken, dass ein wesentliches Element der AfD-Politik gegenüber Polen die Ablehnung der Reparationsforderungen sowie der historische Revisionismus ist.

Sieht die AfD Polen als Verbündeten? Ja – die AfD sieht in Polen einen potenziellen Partner im Projekt eines „Europas der Nationen“, das auf staatlicher Souveränität und der Begrenzung der Kompetenzen der EU-Institutionen basiert.

Wie verhält sich die AfD zu den Streitigkeiten Polens mit der EU über die Rechtsstaatlichkeit? Die Partei kritisiert konsequent die Einmischung der Europäischen Kommission und des EuGH in die inneren Angelegenheiten der Mitgliedstaaten und stellt sich auf die Seite Warschaus und Budapests.

Würden eventuelle AfD-Regierungen die deutsch-polnischen Beziehungen verbessern? Wenn ja, dann teilweise. Die Übereinstimmung betrifft Souveränität und EU-Kritik, doch in Fragen der Sicherheit, Russlands und der Ukraine bleiben gravierende Unterschiede.

Wie geht die AfD an die Frage von Kriegsreparationen für Polen heran? Die AfD lehnt Reparationsforderungen ab und präsentiert einen revisionistischen Ansatz in der Geschichtspolitik, was eine wesentliche Barriere in den Beziehungen zu Polen darstellt.

Kann die AfD die Politik Deutschlands gegenüber Polen real beeinflussen? Vorerst vor allem indirekt – durch Druck auf die öffentliche Debatte und wachsende Zustimmung in Teilen Deutschlands. Realer Einfluss hängt von einem Eintritt der AfD in die Bundesregierung oder einer dauerhaften Verschiebung der Kräfteverhältnisse im Bundestag ab.