Ende des dritten Quartals 2025 erreichte die Staatsverschuldung in den Ländern der Europäischen Union ein Niveau von 82,1 Prozent des BIP – das geht aus den jüngsten Daten von Eurostat hervor. In der Eurozone lag der Wert noch höher bei 88,5 Prozent. Das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zu den Vorquartalen, bestätigt aber zugleich, dass die Mitgliedstaaten nach Jahren der Krisen – Pandemie, Krieg in der Ukraine, Energiekrise und Iran-Konflikt – weiterhin Schulden aufnehmen. Am höchsten verschuldet bleiben die Länder Südeuropas: Griechenland mit 149,7 Prozent, Italien mit 137,8 Prozent, Frankreich mit 117,7 Prozent, Belgien mit 107,1 Prozent und Spanien mit 103,2 Prozent des BIP. Am anderen Ende stehen Estland (22,9 Prozent), Luxemburg (27,9 Prozent), Bulgarien (28,4 Prozent) und Dänemark (29,7 Prozent).
Polen liegt im Mittelfeld – mit einer Staatsverschuldung, die derzeit noch bei rund 58 Prozent des BIP liegt. Deutschland, die größte Volkswirtschaft der EU, weist etwa 63–66 Prozent auf, aber gerade bei ihnen zeigt sich der interessanteste und beunruhigendste Trend der letzten Jahre.
Im Jahr 2025 entschied sich Deutschland erstmals seit Jahrzehnten für eine massive Umgehung der klassischen Schuldenbremse durch Sondervermögen. Das größte davon ist ein Fonds im Wert von 500 Milliarden Euro für das Militär, der im März 2025 nach einer Verfassungsänderung eingeführt wurde. Die Mittel daraus gehen nicht in den regulären Bundeshaushalt ein und unterliegen nicht den Schuldenregeln. Hinzu kommt das seit 2022 bestehende Sondervermögen Bundeswehr (100 Milliarden Euro für die Verteidigung), das 2025 weiterhin intensiv genutzt wurde.
In der Praxis bedeutet das, dass Deutschland 2025 einen erheblichen Teil der Investitionen – Infrastruktur, Klima, Verteidigung – außerhalb des regulären Haushalts finanzierte. Der Plan für Anleiheemissionen für 2026 beläuft sich bereits auf 512 Milliarden Euro – ein Rekordniveau. Wenn die Nachfrage bei Auktionen nachlässt, wird eine „Marktpflegequote" aktiviert – die Agentur übernimmt den Rest und bringt ihn später auf den Markt. Dadurch enden alle Auktionen erfolgreich, und die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen stieg auf 2,89–2,92 Prozent – den höchsten Stand seit zwei Jahren, aber im Vergleich zu den USA (4,2 Prozent) oder Italien (3,5 Prozent) immer noch niedrig.
Deutschland ist nicht die Ausnahme, sondern der Vorreiter dieses Trends, der sich 2025 in der gesamten Union ausbreitete. Immer mehr Länder nutzen Off-Budget-Mechanismen oder Ausnahmeklauseln (Escape Clauses), um Ausgaben außerhalb der üblichen Maastricht-Regeln und nationalen Schuldenbremsen zu finanzieren.
In Deutschland schloss die Verfassungsänderung vom März 2025 Verteidigungsausgaben oberhalb von 1 Prozent des BIP von der Schuldenbremse aus. Frankreich und andere Länder aktivierten die Ausnahmeklauseln im Rahmen des Stabilitäts- und Wachstumspakts. Auf EU-Ebene ist weiterhin der Wiederaufbaufonds Next Generation EU (im Wert von knapp 800 Mrd. Euro) aktiv, dessen Mittel ebenfalls außerhalb des regulären EU-Haushalts verteilt werden. Im Ergebnis finanzierten 2025 über ein Dutzend EU-Länder (darunter Deutschland, Frankreich, Italien, Polen in geringerem Umfang) einen erheblichen Teil der Investitionsausgaben gerade über Sondervermögen oder zusätzliche Schuldenaufnahmen.
Kritiker – darunter der Bundesrechnungshof und zahlreiche Wirtschaftsforschungsinstitute – warnen, dass eine solche Lösung zwar schnelle Investitionen ermöglicht, aber „Schattenhaushalte" und verborgene Risiken schafft. Mittel aus den Sondervermögen ersetzen oft reguläre Ausgaben, statt sie zu ergänzen, und in Zukunft, wenn die Fonds erschöpft sind, kann die Rückkehr zum normalen Haushalt entweder Kürzungen oder weitere Steuererhöhungen bedeuten.