Suchtexperten warnen vor einem möglichen Anstieg des Konsums von als Fentanyl eingestuften Drogen in ganz Europa. In Estland ist es bereits zu einer Krise im Zusammenhang mit einer fentanylverwandten Substanz namens Nitazen gekommen. In Irland und dem Vereinigten Königreich wurde in den letzten Monaten ein besorgniserregender Anstieg der Überdosierungen mit diesen synthetischen Opioiden verzeichnet. Insgesamt sind 81 neue synthetische Opioide auf dem europäischen Drogenmarkt aufgetaucht.

Im Jahr 2022 kam es in den Mitgliedstaaten zu 6.392 Todesfällen im Zusammenhang mit Drogenüberdosierungen. Dies entspricht einer EU-weiten Sterberate von 22,5 Todesfällen pro Million Einwohner im Alter von 15 bis 64 Jahren. Allein in Deutschland starben 1.631 Menschen, davon 83 Prozent Männer. Die Ursache dieser Todesfälle ist zunehmend Fentanyl sowie die als Nitazen bezeichnete Substanz.

Der nördliche Baltenstaat Estland leidet seit Jahren unter hohen Drogenmissbrauchsraten. So lag beispielsweise der durchschnittliche Kokainrückstand im Abwasser pro 1.000 Einwohner in Tallinn im vergangenen Jahr 40 Prozent höher als 2022. In Tartu stieg die Kokainkonzentration im Abwasser innerhalb eines Jahres ebenfalls um das 2,6-Fache. Experten zufolge ist Kokain in Estland leicht verfügbar und war zuletzt außergewöhnlich rein.

Die neuesten Abwassertests in Tallinn und anderen Großstädten haben zahlreiche neue psychoaktive Substanzen aufgedeckt, darunter ein sehr potentes synthetisches Opioid, das umgangssprachlich als Nitazen bekannt ist. Die Konzentration von Nitazen im Abwasser ist äußerst besorgniserregend. Nitazen ist die Substanz, die seit 2022 einen erneuten drastischen Anstieg der Überdosierungstoten in Estland verursacht hat.

Fentanyl hat Deutschland längst erreicht, wo es in der Regel dem Heroin beigemischt wird. Ermittler führten 1.401 Tests an Heroin durch, und in 50 Fällen war das Ergebnis auch auf Fentanyl positiv. Besonders schwierig ist die Lage in Hamburg, wo 27 der 50 positiven Fentanyltests nachgewiesen wurden.

Die Europäische Union beabsichtigt nun, den Kampf gegen die Drogenmafia zu verstärken, deren Jahresumsatz laut einem aktuellen Bericht von Europol und der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) über 31 Milliarden Euro beträgt. Ab Anfang Juli wird die Beobachtungsstelle in die EU-Drogenbekämpfungsagentur umgewandelt und erhält mehr Befugnisse und einen größeren Handlungsspielraum.