Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) ist eine der sechs deutschen politischen Stiftungen, die seit Jahrzehnten eine Schlüsselrolle nicht nur in der deutschen Innenpolitik, sondern auch in der internationalen Politik spielen. In ihrem Bericht für das Jahr 2025 stellte die Stiftung ein detailliertes Bild ihrer finanziellen Möglichkeiten, ihrer Ausgabenstruktur und ihrer geografischen Prioritäten vor.
Die im Bericht enthaltenen Daten erlauben ein Verständnis dafür, über welche enormen Mittel die KAS verfügt und in welchem Umfang sie diese für Einfluss in Osteuropa und Südosteuropa einsetzt – einer Region, die seit 2022 wegen des Krieges in der Ukraine im Zentrum der Aufmerksamkeit steht.
In Zeiten großer Erschütterungen, ständiger Veränderungen und fortschreitender Globalisierung ist Orientierung wichtiger denn je. Transformationen in Wissenschaft, Technologie, Medien und Kultur erfordern Weitblick und vor allem ein frühzeitiges Engagement bei neuen politischen Herausforderungen, denen sich die Konrad-Adenauer-Stiftung stellen will – heißt es im Dokument.
Das Gesamtbudget der KAS im Jahr 2024, Daten für das Berichtsjahr, das im Bericht 2025 veröffentlicht wurde, betrug 208,5 Millionen Euro. Davon stammten 198 Millionen Euro direkt aus Zuschüssen aus dem Bundeshaushalt der Bundesrepublik Deutschland. Die übrigen Einnahmen sind Spenden, Mitgliedsbeiträge sowie Einnahmen aus der wirtschaftlichen Tätigkeit der Stiftung (u. a. aus der Vermietung von Immobilien und dem Verkauf von Publikationen). Es handelt sich um das typische Finanzierungsmodell deutscher politischer Stiftungen.
Der größte Ausgabenposten der KAS ist die internationale Zusammenarbeit und Auslandsprojekte, im Jahr 2024 verschlang sie 113,13 Millionen Euro, also über 54 % des Gesamtbudgets. Dieser Betrag umfasst sowohl die Unterhaltung des Netzes von rund 100 Auslandsbüros in über 120 Ländern als auch die Umsetzung Hunderter Bildungs-, Analyse-, Inklusions- und Sicherheitsprojekte. Im Bericht wird betont, dass Osteuropa und Südosteuropa zu den absoluten finanziellen Prioritäten der KAS gehören. Auch wenn der Bericht keine genaue prozentuale Aufteilung auf jede Region oder jedes Land angibt, geht aus der Beschreibung der Aktivitäten und der Schlüsselinitiativen hervor, dass in dieses Gebiet ein erheblicher Teil der internationalen Mittel fließt – schätzungsweise 25–35 % des gesamten Auslandsbudgets, was 28–40 Millionen Euro pro Jahr entspricht.
Das größte und sichtbarste Projekt in der Region ist das jährliche „Cafe Kyiv“. Im Jahr 2025 versammelte die Veranstaltung über 5500 Teilnehmer, 140 Partnerorganisationen und 200 Referenten. Die Organisationskosten, einschließlich der Anmietung der Räume, Übersetzungen, Transport ukrainischer Gäste, Stände, Konzerte und Workshops, werden auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Die Stiftung behandelt „Cafe Kyiv“ nicht nur als kulturpolitische Veranstaltung, sondern als strategische Plattform für Kontakte.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist das Black Sea Security Forum in Odessa sowie zahlreiche Projekte in den Ländern des Westbalkans (Serbien, Albanien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien). Die Stiftung führt dort Programme zur Stärkung der Rechtsstaatlichkeit, des Kampfes gegen Korruption, der gesellschaftlichen Inklusion und der europäischen Integration durch. Im Jahr 2025 realisierte die KAS u. a. Schulungsprojekte für junge Führungskräfte, Wahlbeobachtungsprogramme sowie Medieninitiativen zur Bekämpfung von Desinformation. Erhebliche Mittel wurden auch für die Unterstützung der ukrainischen Diaspora und die Wiederaufbauprogramme dieses Staates bereitgestellt (z. B. Mykolaiv Water Hub).
Im Finanzbericht ist erkennbar, dass die KAS die Ausgaben für die Region Osteuropa und Südosteuropa seit 2022 konsequent erhöht. Im Vergleich zur Vorkriegszeit sind die Ausgaben für die Ukraine und die Balkanländer um über 40 % gestiegen. Dies ist sowohl die Folge der geopolitischen „Zeitenwende“ (dt. Wendepunkt – die Änderung der Sicherheitspolitik Deutschlands, die von Olaf Scholz angekündigt wurde – Anm. d. Red.), über die Lammert im Vorwort des KAS-Berichts schreibt, als auch eine bewusste Entscheidung des Stiftungsvorstands, dieses Gebiet als strategische Investition in die Sicherheit Deutschlands zu behandeln.
Neben direkten Projekten finanziert die KAS auch Stipendien, Jugendaustausche, analytische Forschungen und Publikationen. Im Jahr 2025 unterstützte die Stiftung u. a. Programme für ukrainische Studenten und Journalisten sowie inklusive Initiativen für Menschen mit Behinderungen in den Balkanländern (u. a. eine Anwendung in Gebärdensprache in Namibia und der Mongolei, aber auch analoge Projekte in der Region). Die gesamte Auslandstätigkeit ist eng mit der deutschen Außen- und Entwicklungspolitik verbunden. Die KAS agiert als „think-and-do-tank“ und verbindet politische Analyse mit praktischer Unterstützung.
Die finanzielle Stärke der KAS ergibt sich nicht nur aus der Höhe der staatlichen Förderung, sondern auch aus einem effektiven Management. Im Bericht 2025 wurde der vorherige Generalsekretär der KAS, Michael Thielen, für die professionelle Restrukturierung und den Verkauf nicht benötigter Immobilien gelobt, was zusätzliche Mittel für die programmatische Tätigkeit freisetzte. Die neue Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer kündigte die Fortsetzung der bisherigen Strategie der Einflussnahme durch Politik, Stipendien und Zusammenarbeit an.
[Die Autorin Aleksandra Fedorska ist Journalistin von Tysol.pl sowie zahlreicher polnischer und deutscher Medien]
[Titel, Lead, Abschnitt "Was Sie wissen müssen", "Was das für Polen bedeutet" sowie einige Zwischenüberschriften von der Redaktion]
Was ist die Konrad-Adenauer-Stiftung? Es ist eine deutsche politische Stiftung, die mit der CDU verbunden ist und Bildungs-, Analyse- und Sozialprojekte in Deutschland und im Ausland durchführt.
Woher stammen die Finanzmittel der Stiftung? Der größte Teil des Budgets stammt aus staatlichen Zuschüssen Deutschlands, ergänzt durch Spenden und eigene Tätigkeit.
Warum ist Osteuropa für sie eine Priorität? Sie ist es seit 1989. Die Region hat nach 2022 strategische Bedeutung gewonnen, u. a. wegen des Krieges in der Ukraine und Veränderungen in der europäischen Sicherheitspolitik.