In den amtlichen Dokumenten der deutschen Bundespolizei zur Abschiebung von Einwanderern aus Deutschland nach Polen ist die Unterschrift des Dolmetschers ebenso erforderlich wie die Unterschrift des deutschen Beamten und des Migranten selbst. Aus den Dokumenten, die der Redaktion von Tygodnik Solidarność vorliegen, geht jedoch hervor, dass nichtdeutsche Dolmetscher auf einigen Dokumenten lediglich unleserlich oder mit unvollständigem Nachnamen unterschreiben. Im Gegensatz zu den Beamten werden sie nicht mit Vor- und Nachnamen genannt. Warum die Identität der Dolmetscher in Deutschland nicht transparent ist, ist mindestens einer der vielen Gründe, die die Verwaltungsverfahren in Migrationsfragen in diesem Land in Frage stellen. Gleichzeitig ist anzumerken, dass das Schicksal des Migranten in Deutschland gerade vom Dolmetscher abhängt, denn das Hauptelement des Asylverfahrens ist die Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die mündlich und häufig online per Video durchgeführt wird. In einigen Sprachen wie Somali, Rundi und Sprachen aus Ruanda gibt das deutsche Amt selbst Defizite zu. Manchmal können die Anhörungen nicht in der Muttersprache der Asylbewerber durchgeführt werden.

Vom Dolmetscher hängt sehr viel ab. Praktisch das gesamte Schicksal des Migranten in Deutschland hängt vom Dolmetscher ab. Es beginnt schon mit der Erklärung des Asylantrags. In den deutschen Polizeiberichten, aber auch in den Dokumenten, die zu den aus Deutschland nach Polen abgeschobenen Migranten gehören, finden sich Kommentare, die vermeintlich unzureichende Asylanträge beschreiben. Ob der Asylantrag ausreichend klar dargestellt und begründet wurde, beurteilt in den meisten Fällen gerade der Dolmetscher.

Besonders in den Jahren 2017–2018 wurden die niedrigen Löhne, das Fehlen von Qualifikationen und die Verletzung der Neutralitätspflicht durch beim BAMF beschäftigte Dolmetscher mehrfach kritisiert. In diesem Zeitraum hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Zusammenarbeit mit über 2.100 Dolmetschern beendet, die als Mündlich-Dolmetscher arbeiteten, ohne ein C1-Sprachzertifikat in Deutsch in den am häufigsten anfallenden Zielsprachen zu besitzen.

— Auf dem Höhepunkt des Flüchtlingszustroms verlangten die Behörden weder […] die Mitgliedschaft in einem Berufsverband noch die Vorlage eines Nachweises ihrer Fähigkeiten

– beschreibt die deutsche Zeitung Süddeutsche Zeitung.

Die Frage des Status und der Rolle der Dolmetscher beim deutschen BAMF ist in den letzten Monaten in den Bundestag zurückgekehrt, denn die linke Partei Die Linke hat sich der Sache angenommen und an die deutsche Regierung Anfragen in dieser Angelegenheit gerichtet. Mitte Dezember nahm die Bundesregierung zur Anfrage der Linken Stellung, und als Erstes ist darauf hinzuweisen, dass, während die linken Abgeordneten nach dem Status der Dolmetscher fragen, die deutsche Regierung sie in ihrer Antwort konsequent als Sprachmittler mit dem rechtlichen Status eines Freelancers bezeichnet.

— Der Sprachmittlerpool des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) umfasst insgesamt 5.960 Freelancer (Stand: 7. November 2024) (…). Eine Aufteilung auf die BAMF-Außenstellen ist nicht möglich, da die Sprachmittler keiner Außenstelle zugeordnet sind und in der Regel Aufgaben in allen Außenstellen erfüllen.

Als Freelancer können die Dolmetscher nur auf Werkverträge mit deutschen Behörden hoffen. Festanstellungen für sie gibt es nicht. Die Regierung gibt zu, dass diese Verträge keinen Regeln oder offiziellen Tabellen unterliegen, sondern individuell und auf Initiative des Sprachmittlers selbst verhandelt werden. Auf offensichtliche Weise führt das zu einer sehr hohen Skala der Abhängigkeit der Dolmetscher von ihren deutschen Auftraggebern, was sich auf ihre Arbeit und die Glaubwürdigkeit der Übersetzungen auswirken kann.

Die Bundesregierung antwortete in ihrer Antwort auf die kritischen Fragen seitens der Linken, dass im Rahmen der Qualitätssicherung im Bereich der Sprachmittlung qualifiziertes Personal stichprobenartige Kontrollen der Sprachmittlungsleistungen durchführe und auf freiwilliger Grundlage zu Diskussionen über Feedback einlade.

[Aleksandra Fedorska ist Journalistin polnischer und deutscher Medien]

[Unten ein Beispiel eines auf falsche Weise unterschriebenen Dokuments – Protokoll der Anhörung eines gewissen Jammal. Es fehlt der Name des Sprachmittlers – dt. „Sprachmittler“, lediglich eine unleserliche Unterschrift. Jammal wurde nach Polen abgeschoben]