Die Europäische Union tritt in eine neue Ära des sogenannten „digitalen Geldes" ein. Die Finanzminister der Mitgliedstaaten haben die Pläne zur Einführung eines digitalen Euro angenommen, was die Europäische Kommission als „Meilenstein" bezeichnete. Diese Entscheidung soll die Unabhängigkeit Europas von amerikanischen Giganten wie Visa oder Mastercard stärken, die über 80 Prozent der elektronischen Transaktionen in der Eurozone kontrollieren. Doch die europäischen Banken freuen sich keineswegs, da sie Milliardenschwere Kosten für die Implementierung neuer Lösungen erwarten.
Das Projekt des digitalen Euro, das von der Europäischen Zentralbank (EZB) entwickelt wird, ist das digitale Pendant der Gemeinschaftswährung. Er soll auch offline verfügbar sein, mit einem Transaktionslimit, das mehr Privatsphäre gewährleistet. Die mögliche Ausgabe ist für 2029 vorgesehen. Die endgültige Entscheidung wird frühestens 2026 fallen.
In Österreich, wo 80 Prozent der elektronischen Transaktionen über ausländische Server laufen, ist das ein dringendes Problem. Experten wie Hans-Gert Penzel warnen vor einer strategischen Abhängigkeit, ähnlich der bei der Energieversorgung.
Ein unerwarteter Verbündeter der EZB sind hingegen die italienischen Banken. Der Italienische Bankenverband (ABI) unterstützt das Projekt als Symbol der „digitalen Souveränität". „Wir sind für den digitalen Euro, weil er das Konzept der digitalen Souveränität verkörpert" – erklärt Marco Elio Rottigni, Generaldirektor des ABI. Italien, das von Finanzkrisen gezeichnet ist, sieht darin eine Chance, sich von der technologischen Dominanz der USA und Chinas zu emanzipieren.
Doch die Begeisterung schwindet mit den Kosten. Die Banken schätzen die Ausgaben für die Einführung des digitalen Euro auf 4–5,8 Milliarden Euro. „Die Projektkosten sind im Kontext der Investitionsausgaben, die die Banken tragen müssen, sehr hoch" – fügt Rottigni hinzu. Die EZB plant 1,3 Milliarden Euro für die Entwicklung und 320 Millionen jährlich für den Betrieb. Der spanische Abgeordnete Fernando Navarrete befürchtet, dass der digitale Euro ein „paralleles Zahlungsökosystem" schaffen wird, das die Entwicklung privater Initiativen wie des Wero-Systems hemmt. Der ABI schlägt ein „Zwillingsmodell" vor – eine Koexistenz mit privaten digitalen Währungen, um bestehende Geschäftsmodelle nicht zu untergraben.
Während der Süden Europas auf Digitalisierung setzt, hält sich Österreich zurück. Die Regierung in Wien startete eine „Bankomaten-Offensive" und die Installation von bis zu 120 neuen Automaten innerhalb von zwei Jahren, in Zusammenarbeit mit der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und dem Gemeindebund.
Das ist eine Reaktion auf die starke gesellschaftliche Befürwortung des Bargelds. 65 Prozent sprechen sich für einen verfassungsrechtlichen Schutz des Bargelds aus. Österreich sieht den digitalen Euro bestenfalls als Ergänzung, nicht als Ersatz. In Zeiten von Blackouts oder Cyberangriffen bleibt Bargeld die „letzte Verteidigungslinie".