Obwohl die Raffinerie Schwedt noch nicht entrussifiziert wurde, schmiedet die Bundesregierung bereits Pläne für die Wasserstoffproduktion dort. Dies könnte der Schlüssel zum Erfolg von Polens PKN Orlen sein, wenn der Konzern tatsächlich die Anteile des Werks übernehmen will.

Die Raffinerie Schwedt (CPK) kündigte am 8. Mai an, 15 Milliarden Euro in die Energiewende des Werks zu investieren. Das Projekt heißt HyPE+. Es wurde gemeinsam mit dem lokalen Unternehmen Enertrag entwickelt, das in der Produktion erneuerbarer Energien tätig ist und Aufträge im Bereich der Wasserstoffwirtschaft sucht. HyPE+ soll die Nutzung von Wasserstoff in der Raffinerie maximieren.

Derzeit möchte die Raffinerie ihre Wasserstoffenergiekapazitäten unter Verwendung von grauem Wasserstoff ausbauen, von dem sie aufgrund der Produktion von Dieselkraftstoffen und anderen Substanzen reichlich hat. Die derzeit fehlenden Kapazitäten könnte sie durch einen Elektrolyseur ergänzen. In den kommenden Jahren sollen bei der PCK Elektrolyseure mit einer Leistung von 32 MW gebaut werden, weitere 96 MW sollen später hinzukommen. Nach 2027 soll die PCK bereit sein, Produktionskapazitäten für grünen Wasserstoff von 300 MW zu installieren. Bis 2030 könnte die Kapazität auf 600 MW steigen. Künftig will die PCK-Raffinerie die lokale Industrie und Fernwärme mit Wasserstoff versorgen und möglicherweise sogar das Gas an das Stahlwerk Eisenhüttenstadt liefern, das bis 2050 mit der Produktion von grünem Stahl beginnen will.

Während der Präsentation des HyPE+-Projekts wurde die Rolle Polens mehrfach erwähnt. Erstens wurde Polen als Gebiet genannt, aus dem erneuerbare Energien für die Elektrolyse und Wasserstoffproduktion bezogen werden könnten. Dann sprachen die Referenten bei der Verteilung des Wasserstoffs über neue Wasserstoffpipelines. Auch die EUGAL-Gasverbindung (die als Abzweig der Nord-Stream-2-Gaspipeline gedacht war – Anm. d. Red.) soll für den Wasserstofftransport angepasst werden. Dieses Gasleitungsnetz ist mit der polnischen Seite verbunden.

Die Deutsche Welle fragte, ob der polnische Gasnetzbetreiber Gaz-System von den Plänen der Raffinerie wisse und ob Orlen, der drittgrößte Produzent von grauem Wasserstoff, seinen polnischen Markt an die deutsche Raffinerie abtreten würde. „Erneuerbare Energien und der daraus erzeugte Strom aus Polen können sicherlich auch eine Quelle für die PCK sein. Er kann über die Grenze hier im europäischen Stromnetz für diesen spezifischen Zweck abgerufen werden. Aber von einem Export von Wasserstoff kann keine Rede sein. Momentan haben wir die Grundstruktur auf der Ebene des Übertragungsnetzes in Deutschland konzipiert

, \"Steinbach sprach auch von zwei oder drei Investoren, die an der Raffinerie interessiert seien, die derzeit zu 54 Prozent dem russischen Rosneft-Konzern gehört, der nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine unter staatliche Treuhandverwaltung gestellt wurde. Deutschland hat die rechtliche Möglichkeit, Rosneft zu enteignen. Polen drängt auf diesen Schritt. Einer der potenziellen Investoren als Ersatz für die Russen ist Polens Orlen. Steinbach merkte an, dass Deutschland einen Partner wählen werde, der nicht nur den Willen, sondern auch die Kraft habe, das HyPE+-Projekt zu übernehmen. Der Minister wollte keine öffentlichen Erklärungen zu den potenziellen neuen Eigentümern der Raffinerie Schwedt abgeben.

Deutsche Welle / Aleksandra Fedorska