In Deutschland ist Alkohol im Vergleich zu anderen Ländern der Europäischen Union außergewöhnlich günstig. Laut Daten vom Oktober 2025 liegen die Preise für alkoholische Getränke im Einzelhandel 14 % unter dem EU-Durchschnitt. Nur in Italien ist es um 19 % günstiger.
Deutschland belegt einen der Spitzenplätze bei den niedrigen Alkoholpreisen in der EU. Im Oktober 2025 lagen die Preise für Bier, Wein und Spirituosen 14 % unter dem EU-Durchschnitt, was sie für Verbraucher besonders attraktiv macht. Zum Vergleich: In Finnland sind die Preise um 110 % höher, in Dänemark um 23 %, in Belgien um 13 % und in Polen um 9 % über dem Durchschnitt. Länder wie Tschechien (-7 %) und Österreich (-11 %) bieten ebenfalls günstigeren Alkohol, doch Deutschland sticht im Vergleich zu Nachbarn wie Frankreich oder den Niederlanden hervor, wo die Preise nahe am EU-Durchschnitt liegen.
Die niedrigen Preise resultieren unter anderem aus niedrigen Verbrauchsteuern und einem scharfen Wettbewerb auf dem Markt. Experten betonen, dass es nicht nur um die nominalen Preise geht, sondern auch um deren Auswirkung auf den Konsum – günstiger Alkohol verleitet zu höherem Verbrauch.
Der Alkoholkonsum in Deutschland bleibt hoch, wenn auch ein leichter Rückgang zu beobachten ist. Im Jahr 2022 konsumierte der durchschnittliche Deutsche über 15 Jahren 11,2 Liter reinen Alkohol pro Jahr, was etwa 448 Gläsern Bier (0,5 l mit 5 % Alkoholgehalt) entspricht, jedoch ist das fast ein Liter weniger als zehn Jahre zuvor (12,1 l). Im EU-Ranking liegt Deutschland auf Platz 9, gleichauf mit Frankreich und Portugal. Den höchsten Konsum verzeichnen Rumänien (17,1 l), Lettland (14,7 l) und Tschechien (13,7 l), den niedrigsten Griechenland (7,0 l), Malta (6,2 l) und Zypern (5,2 l).
Die gesundheitlichen Kosten des Alkoholkonsums sind enorm, auch wenn genaue Zahlen in den Berichten nicht spezifiziert werden. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) betont, dass billiger Alkohol das Gesundheitssystem zusätzlich belastet. Stephanie Eckhardt vom BIÖG appelliert, Preiserhöhungen mit Aufklärung, Verfügbarkeitsbeschränkungen und Werbeverboten zu kombinieren. Die AOK-Vorsitzende Carola Reimann und der Präsident der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt fordern höhere Steuern auf Alkohol, ähnlich wie auf Nikotin oder Zucker, sowie die Förderung eines gesunden Lebensstils.
Experten schlagen Erhöhungen der Verbrauchsteuern als wirksames Instrument im Kampf gegen den Alkoholismus vor. Man schätzt zudem, dass eine Preiserhöhung um 5 % bei alkoholischen Produkten 1,4 Milliarden Euro zusätzliche Steuereinnahmen bringen würde (ein Anstieg um 44 %) und gleichzeitig den Konsum reduzieren würde. Das könnte die Staatsfinanzen stärken. Der Public Health Index weist auf die Notwendigkeit einer Verbesserung der Gesundheitsförderung in Deutschland hin. Mögliche Änderungen könnten darüber hinaus Beschränkungen von Werbung und Verfügbarkeit umfassen.