In Zeiten, in denen die Grenze zwischen staatlicher Spionage, organisierter Kriminalität und hybriden Aktivitäten immer fließender wird, wählt Berlin das Modell einer integrierten Sicherheit. Es stützt sich auf eine enge Zusammenarbeit von Staat, Unternehmen, Wissenschaft und Geheimdiensten.

- „Ausgehend von nationalen und internationalen Zielen sowie einem integrierten Sicherheitsansatz ebnet die Nationale Strategie für Wirtschaftssicherheit den Weg zu einer integrierten und ganzheitlichen Wirtschaftssicherheit. Das bedeutet, dass alle wesentlichen Bereiche der Politik, der öffentlichen Verwaltung und der Wirtschaft eng zusammenarbeiten, um die Resilienz der deutschen Wirtschaft im Einklang mit einem allumfassenden Risikoansatz zu stärken (…)“

Diese Strategie ist eine direkte Weiterentwicklung der wichtigsten internationalen und nationalen Dokumente der letzten Jahre. Sie stützt sich unter anderem auf die gemeinsame Erklärung der G7-Staaten vom Mai 2023 zu widerstandsfähigen Lieferketten und zum Schutz vor Spionage und digitaler Sabotage, auf die Nationale Sicherheitsstrategie Deutschlands vom Juni 2023, auf die Europäische Strategie für wirtschaftliche Sicherheit der Europäischen Kommission aus demselben Zeitraum sowie auf die deutsche China-Strategie vom Juli 2023. Große Bedeutung hat auch die Einrichtung des Nationalen Sicherheitsrats beim Bundeskanzleramt, der die Aktivitäten an der Schnittstelle von innerer, äußerer, wirtschaftlicher und digitaler Sicherheit koordiniert. Oberstes Ziel des gesamten Vorhabens ist die Stärkung der Resilienz der deutschen Wertschöpfungsketten, der Forschung, Innovation und Entwicklung gegenüber physischen, digitalen und hybriden Bedrohungen sowie vor allem gegenüber Wirtschaftsspionage und Sabotage.

Zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands wurde eine offizielle Definition des staatlich organisierten Wirtschaftsschutzes eingeführt. Sie bedeutet staatliche Unterstützung für Unternehmen bei der wirksamen Erhöhung der Resilienz ihrer Wertschöpfungs- und Lieferketten und beim Schutz von Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsaktivitäten gegenüber physischen, digitalen und hybriden Bedrohungen, mit besonderer Berücksichtigung von Wirtschaftsspionage und Sabotage. In diesem Dokument wird ausdrücklich betont, dass die grundlegende Verantwortung für die Sicherheit bei den Unternehmen selbst liegt. Der Staat bietet lediglich „Hilfe zur Selbsthilfe“ durch nachrichtendienstliche Informationen, Sicherheitswarnungen, Schutzempfehlungen und entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen, die es den Unternehmen erleichtern, eigenständig zu handeln.

Die Strategie konzentriert sich auf drei parallele Säulen, die einander ergänzen.

Deutschland plant zusätzlich die Einrichtung eines öffentlich-privaten Auslandsnetzwerks nach dem Vorbild des amerikanischen Overseas Security Advisory Council, die Stärkung der Zusammenarbeit mit der Europäischen Union und der NATO sowie die Einführung eines internationalen Regulierungsmonitors, der als Frühwarnsystem vor Rechtsänderungen auf wichtigen Märkten dienen soll.

Die Nationale Strategie zum Schutz der deutschen Wirtschaft vom März 2026 stellt einen wirklichen Durchbruch im Sicherheitsdenken dar. Berlin erkennt darin klar an, dass der Schutz der deutschen Wirtschaft nur so wirksam sein kann, wie es die Zusammenarbeit aller staatlichen und privaten Akteure ist. Die Strategie zeigt, dass wirtschaftliche Sicherheit als gleichrangiger und integraler Bestandteil der nationalen Sicherheit neben der Rüstung behandelt wird. Für polnische Unternehmer, die mit Deutschland zusammenarbeiten, sowie für den polnischen Sicherheitssektor ist es ein Pflichtdokument, das die Entwicklungsrichtung des Wirtschaftsschutzes unseres größten Handelspartners aufzeigt.

[Autorin Aleksandra Fedorska ist Journalistin von Tysol.pl sowie zahlreichen polnischen und deutschen Medien]

[Titel, Abschnitte „Was Sie wissen müssen“ und „Was bedeutet das für Polen“, FAQ sowie ein Teil der Zwischenüberschriften von der Redaktion]

Was ist die Nationale Strategie zum Schutz der deutschen Wirtschaft? Es ist das erste umfassende Dokument der deutschen Regierung, das festlegt, wie die Wirtschaft vor Bedrohungen wie Spionage, Cyberangriffen oder hybriden Aktivitäten geschützt werden soll.

Warum führt Deutschland gerade jetzt eine solche Strategie ein? Der Grund sind wachsende geopolitische Spannungen, das Risiko von Lieferkettenstörungen sowie der Anstieg digitaler und wirtschaftlicher Bedrohungen seitens Drittstaaten.

Worin besteht das Modell der Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft? Der Staat liefert Informationen, Warnungen und rechtliche Rahmenbedingungen, während die Unternehmen für die Umsetzung konkreter Sicherheitsmaßnahmen verantwortlich sind.

Welche Wirtschaftsbereiche werden besonders geschützt? Besondere Aufmerksamkeit gilt der kritischen Infrastruktur, der Forschung und Entwicklung, den Technologien sowie den Lieferketten.

Wird sich die Strategie auf Unternehmen außerhalb Deutschlands auswirken? Ja, insbesondere auf Unternehmen, die mit deutschen Partnern zusammenarbeiten – sie werden höhere Standards in Bezug auf Sicherheit und Datenschutz erfüllen müssen.