Im Jahr 2025 verzeichnete Deutschland das höchste Handelsdefizit mit China in seiner Geschichte in Höhe von rund 90 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr und unterstreicht die wachsenden Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft in den Beziehungen zu Peking. Wie aus Analysen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hervorgeht, überstiegen die Importe aus China die Exporte in dieses Land erstmals um mehr als das Doppelte – ein alarmierendes Signal für den europäischen Exportriesen.
Der gesamte Handelsumschlag Deutschlands mit China erreichte 2025 einen Wert von 251,8 Milliarden Euro und machte China zum wichtigsten Handelspartner Berlins – noch vor den Vereinigten Staaten. Der Export nach China sank dabei um fast 10 Prozent gegenüber 2024, während die Importe aus dem Land um etwa 9 Prozent stiegen, nach einer Phase der Stagnation im Vorjahr. Das Handelsdefizit erreichte damit den Rekordwert von 90 Milliarden Euro, was einem Anstieg um rund 30 Milliarden Euro im Jahresvergleich entspricht.
Historisch betrachtet war China 2021 noch der zweitwichtigste Exportmarkt für Deutschland, fiel aber 2024 auf den fünften und 2025 auf den sechsten Platz – hinter Italien – zurück. Der Exportrückgang nach China hält aus deutscher Sicht seit 2022 ununterbrochen an, während die Importe auf einem sehr hohen Niveau verbleiben, wenn auch unter dem Höchststand von 2022. Das globale Handelsdefizit Chinas belief sich auf 1,2 Billionen US-Dollar, was das Ausmaß des Problems zusätzlich verdeutlicht – Deutschland habe „die volle Dosis“ dieses Defizits abbekommen, wie es Jürgen Matthes vom IW formulierte.
Analysten verweisen auf unfaire Handelspraktiken Chinas als Hauptursache des Problems. Jürgen Matthes betont: „Dahinter stecken unfaire Methoden. Die entscheidenden Faktoren sind eine erheblich unterbewertete chinesische Währung gegenüber dem Euro sowie die weltweit höchsten staatlichen Subventionen für die chinesische Wirtschaft. Diese Elemente drücken die Preise chinesischer Waren auf den Weltmärkten, einschließlich in Deutschland, künstlich nach unten und schaffen einen verzerrten Wettbewerb.“
Matthes fügt hinzu, das Defizit sei nicht ausschließlich auf eigene Wettbewerbsprobleme Deutschlands zurückzuführen, etwa hohe Energiekosten oder Bürokratie, da Berlin mit den meisten anderen Partnern Handelsüberschüsse erziele. Die deutschen Exporte nach China gehen zurück, obwohl der Gesamthandelsüberschuss Deutschlands positiv bleibt.
Experten des IW betonen, dass Reformen zur Kostensenkung in Deutschland zwar notwendig, aber nicht ausreichend seien. Ohne eine Antwort auf die chinesischen Verzerrungen werde das Defizit weiter wachsen und den „China-Schock“ vertiefen – den Schock durch den Zufluss billiger chinesischer Waren.
Das Rekorddefizit hat schwerwiegende Folgen für die deutsche Industrie. Die sinkenden Exporte nach China schwächen den Exportsektor, der das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bildet. Gleichzeitig verschärfen steigende Importe den Wettbewerb für heimische Hersteller, was zu Arbeitsplatzverlusten und einer Erosion der Wettbewerbsposition führen kann. Es handelt sich um einen doppelten Schock: Einerseits der Verlust von Absatzmärkten, andererseits eine Flut billiger Importe.
In einem breiteren Kontext unterstreicht das Defizit die Abhängigkeit Europas von chinesischen Lieferungen, was geopolitische Risiken birgt – insbesondere angesichts der Spannungen um Taiwan oder den Technologiehandel. Für die EU ist dies eine Herausforderung, die eigene Handelspolitik zu stärken. Deutschland als größte Volkswirtschaft des Blocks spürt dies am stärksten – das Defizit mit China macht einen erheblichen Teil der Gesamthandelsbilanz der EU aus.
Jürgen Matthes vom IW Köln ist eine Schlüsselstimme in dieser Debatte in Deutschland. In seinem Kommentar beschreibt er die Situation als starken Beleg für die Wettbewerbsverzerrungen durch China. Dies bedeute den Bedarf einer entschlossenen handelspolitischen Antwort aus Brüssel, einschließlich möglicher Antidumping-Zölle oder bilateraler Verhandlungen.
Ähnliche Schlussfolgerungen ergeben sich aus einem Bericht der Berliner Zeitung, der hervorhebt, dass trotz des Exportrückgangs nach China seit 2022 die Importe hoch bleiben, was China zum Top-Partner macht. Die IW-Experten fordern innenpolitische Reformen wie die Senkung der Energiekosten und den Bürokratieabbau, betonen aber, dass das Problem ohne Konfrontation mit den chinesischen Subventionen weiter wachsen wird.
Das Rekordhandelsdefizit Deutschlands mit China im Jahr 2025 ist nicht nur eine Statistik, sondern ein Symptom tieferer Probleme im Welthandel. Deutschland wird zweigleisig vorgehen: im Inneren die Wirtschaft reformieren, nach außen die EU drängen, unfairem Wettbewerb entgegenzutreten.