Das deutsche Migrationsamt geht davon aus, dass nach Deutschland 4,6 Millionen Aussiedler (bis 1992 als Aussiedler und ab 1993 als Spätaussiedler bezeichnet) und ihre Familienangehörigen gekommen sind.
Aussiedler sind eine Gruppe von Personen, die nach Deutschland gekommen sind und sich dabei auf ihre deutschen Wurzeln berufen. Noch in den späten 80er Jahren des 20. Jahrhunderts kam die Mehrzahl von ihnen aus Polen nach Deutschland. Anfang der 1990er Jahre traten dieser Gruppe Staatsbürger Rumäniens und der Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion bei, vor allem aus Kasachstan und Russland.
Da sie sich auf eine deutsche Herkunft beriefen, hatten die Aussiedler im Unterschied zu Asylbewerbern und anderen Migranten Anspruch auf eine schnelle Erlangung der deutschen Staatsangehörigkeit.
Im Vergleich zu anderen Gruppen kamen die Aussiedler mit der Integration in die deutsche Gesellschaft sehr gut zurecht. Das durchschnittliche Alter dieser Auswanderer zum Zeitpunkt ihrer Ankunft betrug 40 Jahre.
Die große Mehrheit von ihnen fand eine adäquate Arbeit. Die Beschäftigungsquote der deutschen Bevölkerung im Alter von 15 bis 65 Jahren betrug 2023 77,2 % (2022: 76,8 %). Zum Vergleich: Die Beschäftigungsquote bei den Aussiedlern im Alter von 15 bis unter 65 Jahren betrug 2023 83,5 Prozent (2022: 82,1 Prozent), wie die Bundesregierung weiter erklärt.
Bei der Ankunft in Deutschland waren die Aussiedler relativ jung, doch reif, lebensstabilisiert und gut ausgebildet. Die Mehrheit von ihnen verfügte jedoch nicht über Sprachkompetenzen. Trotzdem haben sie fließend Deutsch gelernt und sich relativ rasch in der neuen Gesellschaft zurechtgefunden. Derzeit befindet sich ein hoher Anteil der Personen, die in den 1980er und 1990er Jahren nach Deutschland kamen, in Rente. Im Zusammenhang mit einer Anfrage der populistischen AfD-Partei, die die Regierung nach der finanziellen Situation dieser Gruppe fragte, antwortete die Regierung, dass im Rahmen der landesweiten Volkszählung 2023 lediglich 154.000 Aussiedler angegeben hätten, ihren Lebensunterhalt aus Sozialleistungen und Sozialhilfe zu beziehen. Übertragen auf alle Einwanderer in Deutschland deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass die Aussiedler in Deutschland deutlich seltener von Sozialleistungen leben als andere Migrantengruppen. Insgesamt leben in Deutschland 1,944 Millionen Ausländer von Sozialleistungen und Sozialhilfe.
Der Integrationserfolg, den die Aussiedlergruppe in Deutschland erzielt hat, hat sicherlich viele verschiedene Gründe. Die kulturelle Nähe war und ist ein Aktivposten beim Integrationsprozess. Hier sind jedoch auch andere Aspekte zu nennen, die es den Aussiedlern in raschem Tempo ermöglicht haben, sich im neuen Land zu stabilisieren. Die Aussiedler nutzten besondere Sprachkurse sowie Kurse zur Förderung der beruflichen Integration. Anschließend ist anzumerken, dass die deutschen und osteuropäischen Bildungssysteme einander ähnlich sind, weshalb auch die Bildungs- und Kompetenzniveaus einander ähnelten. Interessant im Kontext der Integration sind auch die Verdienste internationaler Abkommen, etwa zwischen der Volksrepublik Polen und Westdeutschland, die bis heute Rentenfragen regeln und Auswirkungen auf den Vermögensstand der Aussiedler aus Polen nach Deutschland haben. Konkret geht es um das polnisch-deutsche Sozialversicherungsabkommen vom 9. Oktober 1975. Aufgrund dieses Vertrags erkennt das Gesetz über die ausländischen Renten der deutschen Rentenversicherung Erziehungszeiten und in Polen vor der Einreise nach Deutschland geleistete Arbeitsjahre an und rechnet sie an. Die Gleichbehandlung in der Rentenabrechnung trägt erheblich zur Stabilisierung des Lebens der Rentnergruppe in Deutschland bei, die als Aussiedler dorthin kamen.
[Aleksandra Fedorska ist Journalistin polnischer und deutscher Medien]