Auf der Pressekonferenz der Bundesregierung am 21. August konnte die deutsche Seite auf die Frage nach der Anreise von Manuela Schwesig in ihrer Rolle als Bundesratspräsidentin und Bundeskanzler Olaf Scholz zum Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs in Polen keine sichere Antwort geben und verwies darauf, dies zu klären und nachzureichen. Bis Dienstag, den 27. August, stand die Zusammensetzung der deutschen Delegation nicht fest.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wies auf Probleme hin, da der offizielle Besuch von Manuela Schwesig — die für die Fertigstellung von Nord Stream 2 entgegen amerikanischer Sanktionen verantwortlich war — im Februar nach Angaben des Autors des Senders abgesagt worden sei, weil die nationalistische PiS-Opposition in Polen sich wegen der Nord-Stream-Pipeline gegen sie mobilisiert habe. In Wirklichkeit war es Aleksandra Fedorska, die einen Tweet zu diesem Thema verfasste, der von Hunderttausenden Polen gelesen wurde, die sich gegen den Besuch aussprachen, woraufhin der polnische Senat als Reaktion auf diesen öffentlichen Protest seine Entscheidung zurückzog, Schwesig in Warschau zu empfangen.
Schwesig hat kein Glück mit den Polen, denn polnischer Widerstand steht ihrer Rehabilitation auf der internationalen Bühne erneut im Weg.
Doch nun scheint Premierminister Tusk die Reise indirekt in Frage zu stellen. Wieder einmal geht es um die deutsch-russische Pipeline in der Ostsee. Schwesig war eine von vielen deutschen Befürwortern von Nord Stream vor dem Krieg in der Ukraine, Polen war stets Gegner des Projekts, und Tusk erinnerte am Wochenende auf der Plattform X daran: An alle Initiatoren und Schirmherren von Nord Stream 1 und 2: Das Einzige, was sie in diesen Tagen tun sollten, ist sich zu entschuldigen und zu schweigen.
Eindeutige Entscheidungen fielen jedoch erst heute nach 14:00 Uhr. Zunächst konnte die Pressestelle des Bundesrats nicht feststellen, wer die Frage beantworten sollte, ob Manuela Schwesig nach Polen kommen werde. Etwa 45 Minuten später stellte sich heraus, dass keine zuständige Person anwesend war, die diese Frage beantworten konnte, woraufhin die Pressestelle bat, die Anfrage per E-Mail zu senden.
Die per E-Mail erteilte Antwort deutet auf sehr ernste Spannungen zwischen der deutschen und der polnischen Regierung in dieser Angelegenheit hin, da weder Bundesratspräsidentin Manuela Schwesig noch Olaf Scholz an den Gedenkfeiern zum Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs in Polen teilnehmen werden. Laut den per E-Mail von der Pressestelle des Bundesrats übermittelten Informationen wird die Bundesrepublik Deutschland bei den Feierlichkeiten durch den Koordinator für die deutsch-polnischen Beziehungen, Dietmar Nietan, vertreten.