Das Statistische Bundesamt (Destatis) führt keine detaillierten Aufzeichnungen darüber, wie viele Deutsche im Ausland leben, und beziffert auch nicht die Gründe für ihre Ausreiseentscheidung. Bekannt ist jedoch, dass unter den Auswanderern Personen im erwerbsfähigen Alter dominieren – etwa die Hälfte sind Menschen zwischen 25 und 49 Jahren, während Senioren über 65 Jahre lediglich 6 % der Ausreisenden ausmachten.

Laut Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) sind 2024 etwa 90.807 Personen polnischer Staatsangehörigkeit aus Deutschland ausgereist, und nach Deutschland sind 82.082 zugewandert. Erstmals seit 25 Jahren führte das für Polen zu einem negativen Migrationssaldo, was bedeutet, dass mehr Polen aus Deutschland ausgewandert sind als gekommen sind. Für 2025 liegen noch nicht alle Daten vor, aber von Januar bis April 2025 haben bereits über 93.000 Polen das Land verlassen, und der Trend soll anhalten.

Ein negativer Migrationssaldo wird 2024 auch für die Rumänen verzeichnet, ähnlich wie in Polen. Im Jahr 2023 zogen 189.321 Rumänen nach Deutschland, doch 172.933 verließen das Land erneut.

Die deutschen Migrationsstatistiken zeigen widersprüchliche Trends. Seit 15 Jahren verzeichnet Deutschland einen positiven Migrationssaldo – mehr Personen kommen ins Land, als es verlassen, vor allem dank Einwanderern aus dem Ausland. Doch im Falle deutscher Staatsbürger ist der Saldo seit 2005 negativ: Mehr Deutsche reisen aus, als zurückkehren. In den ersten vier Monaten 2025 haben bereits über 93.000 Deutsche das Land verlassen. Wenn sich der Trend fortsetzt, kann das Jahr 2025 eine Rekordemigration bringen.

- Seit der Pandemie beobachten wir einen deutlichen Anstieg des Interesses an Auswanderung

- bemerkt Christoph Heuermann, Gründer der Firma Staatenlos, die Personen unterstützt, die eine Ausreise aus Deutschland planen.

Obwohl das Statistische Bundesamt keine konkreten Gründe für die Auswanderung nennt, weisen Gespräche mit Experten und Auswanderern selbst, geführt u. a. von der deutschen Tageszeitung Handelsblatt, auf wachsende Frustration im Zusammenhang mit der deutschen Bürokratie hin, die das Leben für Unternehmer und beruflich aktive Personen erschwert. Hohe Steuer- und Sozialabgaben schrecken ebenfalls ab, vor allem diejenigen, die im Ausland eine Chance auf bessere Verdienstmöglichkeiten und niedrigere Lebenshaltungskosten sehen.

- In Deutschland fühle ich mich von Vorschriften und Steuern erdrückt. In einem anderen Land kann ich freier leben und mehr erreichen

- sagt einer der Auswanderer, zitiert vom Handelsblatt.

Nicht ohne Bedeutung ist auch die Sorge um die Zukunft des Landes. Manche Personen fürchten einen politischen Umbruch, was Unsicherheit über die soziale Stabilität weckt. Andere, vor allem die Jungen, suchen einfach neue Erfahrungen und Freiheiten, die sie mit dem Leben im Ausland verbinden. Unter den Auswanderern sind sowohl Studenten, die für die Studienzeit ausreisen, als auch ältere Personen, die ihren Ruhestand in einem wärmeren Klima wählen, obwohl Letztere eine Minderheit darstellen.

Der massenhafte Abfluss von Deutschen, vor allem im erwerbsfähigen Alter, weckt Sorgen um die Zukunft des Arbeitsmarkts. Personen im Alter von 25–49 Jahren sind häufig qualifizierte Spezialisten, deren Ausreise das Problem des Personalmangels vertiefen kann. Dieses Phänomen kontrastiert mit dem Zustrom von Einwanderern, die zwar die Wirtschaft stärken, aber nicht immer Lücken in hochqualifizierten Sektoren füllen. Der negative Migrationssaldo der Deutschen weist auf die Notwendigkeit einer Analyse hin, warum das Land für seine eigenen Bürger weniger attraktiv wird.

[Aleksandra Fedorska ist Journalistin von Tysol.pl sowie zahlreichen polnischen und deutschen Medien]