Angesichts globaler Energiekrisen setzt Afrika immer mutiger auf Kernenergie. Unterdessen kommen aus Deutschland Stimmen des Widerspruchs, die durch ihre Heuchelei überraschen. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), die als Vorreiterin der Entwicklungshilfe gilt, blockiert aktiv Projekte zum Bau von Kernkraftwerken ausgerechnet in Afrika.
Afrika kämpft mit einem gewaltigen Energiedefizit. Rund 650 Millionen Menschen – fast die Hälfte der Bevölkerung des Kontinents – haben keinen Zugang zu einer stabilen Stromversorgung. Das sind nicht nur alltägliche Erschwernisse, sondern ein Hindernis für die Industrialisierung und den Kampf gegen die Armut. Traditionelle Energiequellen wie Kohle oder Gas sind kostspielig und klimaschädlich, erneuerbare – Sonne oder Wind – gewährleisten keine stabile Versorgung. Kernenergie hingegen ist stabil und emissionsarm. Experten weltweit sind der Ansicht, dass Kernenergie gleichzeitig zur Erfüllung der Ziele des Pariser Abkommens beitragen und das BIP-Wachstum antreiben könnte. Südafrika ist der atomare Pionier auf dem Schwarzen Kontinent und betreibt seit 1984 das Kernkraftwerk Koeberg bei Kapstadt. Zwei Reaktoren mit einer Leistung von 1860 MW decken einen erheblichen Teil des Energiebedarfs, und die Ausbaupläne um zwei Blöcke sind weit fortgeschritten. Ägypten treibt El Dabaa voran: vier moderne Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 4,8 GW baut Rosatom mit russischer Finanzierung von 30 Milliarden USD. Der Bau begann 2022, und die ersten Einheiten sollen bis 2030 ans Netz gehen. Nigeria entwickelt ein nationales Programm, darunter ein Forschungszentrum in Abuja und Pläne für Mini-Kraftwerke. Ghana unterzeichnete 2024 einen Vertrag mit dem amerikanischen Unternehmen NuScale über kleine modulare Reaktoren (SMR), die ideal für instabile Netze sind. Kenia plant das erste afrikanische Kraftwerk im Kilifi County – konventionell oder SMR mit 300–600 MW, Baubeginn ab 2027. Marokko baut ein Zentrum für Nuklearwissenschaften, und Ruanda experimentiert mit SMR von DualFluid (einem deutsch-kanadischen Unternehmen).
Die Afrikanische Kommission für Kernenergie (AFCONE) koordiniert den Wissensaustausch mit dem Ziel, bis 2030 eine Leistung von 10 GW zu erreichen – gegenüber derzeit 1,2 GW. Globale Partner wie Rosatom oder die USA bieten Technologien und Finanzmittel an, nach dem Vorbild Asiens. Die IAEA unterstützt Schulungen für die Sicherheit. „Atomkraft ist eine saubere, zuverlässige Option für Afrikas Probleme" – betont die World Nuclear Association.
Die hohen Anfangskosten in Milliardenhöhe belasten jedoch die hoch verschuldeten Staaten Afrikas. „Die Hauptbarriere sind die Finanzen, aber internationale Partnerschaften werden sie überwinden" – schätzt ein Experte.
Genau vor diesem Hintergrund bricht die Kontroverse mit deutscher Beteiligung aus. Im November 2025 blockierte Entwicklungsministerin Svenja Radovan (SPD) ein internationales Kernenergieprojekt in Afrika, das unter anderem von der Weltbank finanziert wurde. Die Initiative sollte den Bau von Reaktoren unterstützen und Millionen armen Afrikanern Strom bringen. Die SPD beruft sich auf Ökologie und Risiken, doch Kritiker sehen Ideologie. „Das ist blanker Wahnsinn, den die SPD seit Jahren betreibt" – wettert der Kommentator Christoph Lemmer in der Tageszeitung WELT. Er beschuldigt das Ministerium, Ideologie statt realer Hilfe zu betreiben. Die SPD, die in Deutschland den Atomausstieg vorangetrieben hat, blockiert nun Afrika vor derselben Technologie, die einst Europa aufgebaut hat.
Die Kritik wächst. Während China und Russland Milliarden in die afrikanische Infrastruktur investieren, wird Deutschland zum Bremsklotz für die Entwicklung. Afrikanische Regierungen, die jahrzehntelang mit westlicher Entwicklungshilfe versorgt wurden, fordern Partnerschaften statt Belehrungen. In Afrika, wo der Energiehunger wächst, könnte der Verzicht auf Kernkraft Millionen Menschen für weitere Jahrzehnte in Armut gefangen halten.