Die deutsche Regierung hat am 27. August das Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes (WDModG) vorgestellt, das am 1. Januar 2026 in Kraft treten soll. Ziel dieses Gesetzes ist es, die Bundeswehr ohne Änderung der Verfassung zu stärken, indem ein attraktives, freiwilliges Dienstmodell geschaffen wird, das auf dem Aufbau einer starken Reserve fokussiert ist. Vorbild für Deutschland ist Schweden, dem es gelingt, seinen Personalmangel im Militär auf freiwilliger Basis auszugleichen.

Das neue Modell des Wehrdienstes in Deutschland soll die Bundeswehr moderner und ansprechender machen. Anstelle des bisherigen „freiwilligen bürgerschaftlichen Engagements“ erhalten die Rekruten den Status von Soldaten auf Zeit, was eine bessere Vergütung und bessere Sozialleistungen bedeutet. Das neue System ermöglicht eine flexible Dienstzeit - von sechs Monaten bis zu sogar 25 Jahren, je nach Präferenzen, Qualifikationen und Bedürfnissen der Armee. Jeder kann über die Dauer der Verpflichtung entscheiden und bei entsprechender Eignung in eine berufliche Laufbahn beim Militär übergehen. Das soll junge Menschen anziehen, indem es nicht nur körperliche Herausforderungen, sondern auch die Entwicklung von Fähigkeiten und neue berufliche Perspektiven bietet.

Ein Schlüsselelement ist die Modernisierung der militärischen Erfassung. Diese Aufgaben übernimmt die Verwaltung der Bundeswehr von den lokalen Behörden, was die Länder entlastet. Nach Vollendung des 18. Lebensjahres erhalten alle jungen Deutschen einen Brief mit einem QR-Code, der zu einem Online-Fragebogen führt. Für Männer wird das Ausfüllen verpflichtend sein - es umfasst persönliche Daten, Bildung, Fähigkeiten und die Dienstbereitschaft. Frauen und nichtbinäre Personen können freiwillig teilnehmen, da sie nicht der Wehrpflicht unterliegen. Diejenigen, die Interesse bekunden, durchlaufen ein Assessment, und ab dem 1. Juli 2027 verpflichtende ärztliche Untersuchungen (Musterung) für alle Wehrpflichtigen. Dieser Prozess wird es der Armee ermöglichen, die Eignung, die Verfügbarkeit und die optimale Zuweisung genau zu bestimmen.

Der Hintergrund dieser Reformen ist die dramatische Veränderung der Sicherheitslage in Europa. Die russische Invasion in der Ukraine, hybride Angriffe auf die Infrastruktur und die Infragestellung der internationalen Ordnung erfordern von Deutschland einen stärkeren Beitrag zur NATO. Bis 2035 soll die Zahl der aktiven Soldaten auf 260 000 steigen - bislang sind es lediglich 183 000.

Das Fehlen von Daten über potenzielle Rekruten nach der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 machte eine effektive Planung unmöglich. Das neue Gesetz sorgt für ein besseres Lagebild, erhöht die Zahl der Freiwilligen und ermöglicht eine Reaktivierung der verpflichtenden Wehrpflicht mit Zustimmung des Bundestags, sogar außerhalb eines Spannungs- oder Kriegsfalls.

Die Regierung betont, dass der Dienst nicht nur eine Pflicht, sondern eine Chance zum gesellschaftlichen Engagement sein soll. Sie will den Anteil von Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund erhöhen und bietet zusätzliche Vergünstigungen wie den Führerschein, Bildungsunterstützung oder Prämien. Im Falle einer Aktivierung der Wehrpflicht wird das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen mit einem alternativen Zivildienst gewährleistet.