„Wir sind keine Sklaven\" – lautet der Slogan einer Kampagne in Wien. In Österreich beginnen Straßenproteste, die Aufmerksamkeit der landesweiten Öffentlichkeit auf sich zu ziehen. Rumänen organisieren sich in informellen Gruppen und fordern Gerechtigkeit.

Im Herzen Europas, wo die Wirtschaft auf billiger Arbeitskraft basiert, wächst der Zorn der Gastarbeiter aus Rumänien. Siebzig Jahre nach den ersten Wellen der Arbeitsmigration aus Südosteuropa kämpfen ihre Nachkommen und Neuankömmlinge weiterhin mit Ausbeutung, Diskriminierung und Vergessenwerden. In Österreich warnt ein Migrationsexperte vor einem „Aufstand der Ausgebeuteten

, \"In Österreich, insbesondere in Wien, stützt sich der Bausektor seit Jahren auf billige Arbeitskraft aus Rumänien und anderen Ländern Südosteuropas. Im Jahr 2025 hat das Problem der Ausbeutung von Gastarbeitern einen kritischen Punkt erreicht. Der Migrationsexperte Gerald Knaus warnt im Gespräch mit dem österreichischen Medium „Profil\": „Was wir sehen, ist ein Aufstand der Ausgebeuteten.\" Rumänen, die oft von Subunternehmern beschäftigt werden, arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen – ohne Verträge, mit Löhnen unter dem Mindestlohn und in ständiger Angst vor Abschiebung. Knaus weist darauf hin, dass viele von ihnen in provisorischen Unterkünften leben, ohne Zugang zu medizinischer Versorgung oder Versicherung.

Die Statistiken sind alarmierend: In Österreich arbeiten rund 100.000 Rumänen im Bau, in der Pflege und im Dienstleistungssektor. Nach dem EU-Beitritt Rumäniens im Jahr 2007 nahm die Migration zu, angetrieben durch die Freizügigkeit. Doch statt Integration erfahren viele Gastarbeiter Ausbeutung. Unternehmen nutzen Gesetzeslücken und bieten „Dienstleistungsverträge\" statt vollständiger Arbeitsverträge an, was es ermöglicht, Steuern und Sozialabgaben zu umgehen. Knaus betont, dass die wachsende Frustration zu Protesten und sogar Streiks führen könnte, wenn die Regierung nicht reagiert.

Rumänische Arbeiter, oft ungelernt und ohne Sprachkenntnisse, sind besonders gefährdet. Geschichten von 12-Stunden-Schichten ohne Pausen, unterbezahlten Löhnen und Mobbing kursieren in den Migrantengemeinschaften. „Das ist moderne Sklaverei\" – sagt Knaus und fordert strengere Kontrollen und Strafen für unehrliche Arbeitgeber. Österreichische Gewerkschaften wie der ÖGB beginnen, Migranten zu unterstützen und organisieren Informationsaktionen und rechtliche Hilfe.

In Deutschland hat die Debatte über Gastarbeiter einen tieferen, historischen Kontext. Im Jahr 2025 jähren sich die ersten Anwerbeabkommen mit Italien (1955) zum 70. Mal, später folgten solche mit der Türkei, Jugoslawien und anderen südeuropäischen Ländern. Der „Spiegel\" erinnert daran, dass diese Menschen das Nachkriegswirtschaftswunder aufgebaut haben, in Fabriken, Bergwerken und auf Baustellen arbeitend. Doch ihr Beitrag wird oft übersehen. „Wir haben sie vergessen\" – schreibt das Magazin und weist auf die mangelnde Anerkennung ihrer Rolle für die Entwicklung der Bundesrepublik hin.

Heute dominieren Rumänen, neben Bulgaren und Polen, unter den neuen Gastarbeitern. Im Jahr 2023 arbeiteten in Deutschland über 1,5 Millionen Migranten aus Südosteuropa, hauptsächlich in Logistik, Landwirtschaft und Pflege. Ihre Situation ähnelt dem Schicksal der ersten Gastarbeiter: niedrige Löhne, befristete Verträge und Marginalisierung. Im Gegensatz zu den 1960er Jahren, als Migranten mit offenen Armen empfangen wurden, begegnen sie heute wachsender Xenophobie, geschürt von Parteien wie der AfD. Berichte zeigen, dass Rumänen in Deutschland häufig Opfer von Anwerbebetrug werden und ihre Arbeitnehmerrechte notorisch verletzt werden.

Die historischen Parallelen sind frappierend. In den 1970er Jahren lebten Gastarbeiter aus Jugoslawien oder der Türkei in „Ausländerbaracken

bleiben.

Die Migration aus Südosteuropa in den Westen ist, wie die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) analysiert, ein Phänomen, das durch wirtschaftliche Ungleichheiten angetrieben wird. Rumänien kämpft trotz des BIP-Wachstums nach dem EU-Beitritt weiterhin mit Armut in ländlichen Gebieten. Der Durchschnittslohn in Rumänien liegt bei etwa 800 Euro, verglichen mit 3.000 Euro in Österreich oder Deutschland. Das treibt junge Rumänen in den Westen, wo sie Arbeiten annehmen, die Einheimische meiden.

Doch die Freizügigkeit in der EU bedeutet keine Gleichheit. In Österreich und Deutschland werden Migranten aus Rumänien oft als billige Arbeitskraft betrachtet und nicht als vollwertige Bürger. Ein bpb-Bericht zeigt, dass nur 30 % der Migranten aus Südosteuropa nach fünf Jahren berufliche Stabilität erreichen. Der Rest verharrt im Prekariat, ohne Aufstiegsperspektiven. Das erzeugt Frustration, die Knaus als „tickende soziale Zeitbombe\" bezeichnet.

In Österreich verspricht die Koalitionsregierung aus ÖVP und Grünen Reformen, darunter strengere Strafen für Unternehmen, die Migranten ausbeuten. Doch der politische Wille ist schwach – der Bausektor lobbiert für die Aufrechterhaltung des Status quo. In Deutschland drängen SPD und Grüne auf bessere Regulierungen, aber der Widerstand von CDU und AfD erschwert Veränderungen. Nichtregierungsorganisationen wie die Arbeiterwohlfahrt bieten Migranten Beratung an, doch das Ausmaß des Problems übersteigt ihre Möglichkeiten. Die Gesellschaft ist gespalten. In den sozialen Medien erscheinen Stimmen der Unterstützung für Gastarbeiter, aber auch xenophobe Kommentare.