Wie der Bericht von Amrei Meier vom deutschen Thinktank Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) vom Februar 2026 zeigt, nutzen Staaten, internationale Organisationen und private Anbieter digitale Plattformen, biometrische Systeme sowie Algorithmen, um die Migration präziser zu steuern.
Gleichzeitig sollen Migranten selbst digitale Werkzeuge nutzen, um Informationen zu beschaffen, Entscheidungen zu planen und Arbeit zu finden. Diese Entwicklung soll nicht nur Operationen optimieren, sondern auch Migrationsstrukturen verändern: neue Formen digitaler Arbeitsmobilität fördern, Machtbeziehungen verschieben und Migration in die globale Datenwirtschaft einbeziehen.
- Die Digitalisierung der Migration ist heute auf allen Etappen des Migrationsprozesses sichtbar: vom Sammeln von Informationen und der Antragstellung über Mobilität und Grenzüberschreitung bis zur Integration im Zielland und Rückkehr. Dies schafft neue Schnittstellen zwischen Regierungsorganen, internationalen Organisationen, Technologieunternehmen und Akteuren der Zivilgesellschaft. Migration ist zunehmend in transnationalen digitalen Infrastrukturen eingebettet, die Verwaltung, Kontrolle und Unterstützung verbinden.
Laut dem Bericht wird die internationale Migration zunehmend digital organisiert – so der deutsche Thinktank. Im gesamten Migrationsprozess werden digitale Identitäten, interoperable IT-Systeme, automatisierte Verifikationsverfahren sowie Datenanalysewerkzeuge eingesetzt. Diese Systeme ersetzen keine formalen staatlichen Entscheidungen, sondern dienen der Analyse, Vorauswahl und Entscheidungsunterstützung und verlagern die politische Steuerung in technische Vorstrukturen.
Angesichts des globalen Mangels an qualifizierten Arbeitskräften, der wachsenden Mobilität und des Bedarfs an effizienter Verwaltung setzen viele Staaten auf digitale Verfahren, um Migration selektiver zu steuern und Kosten zu senken, etwa bei der Visumerteilung, der Anerkennung von Qualifikationen oder der Integration in den Arbeitsmarkt. In Deutschland werden mit der fortschreitenden Digitalisierung der Visumverfahren und der geplanten digitalen Agentur Work-and-Stay die Migrationsprozesse zunehmend digital gefördert und teilweise automatisiert. Die digitale Steuerung der Migration wird zu einem Instrument der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit, des Sicherheitsrisikomanagements und der Außenpolitikgestaltung. Es fehlt jedoch eine kohärente Strategie, die migrations-, außen-, entwicklungs- und digitalpolitische Ziele integriert und die Rolle der nichtstaatlichen Akteure festlegt, die zentrale, daten- und KI-basierte Anwendungen liefern.
Die Digitalisierung der Migration ist auf der gesamten Migrationskette nach Europa sichtbar, von der Informationssuche und Antragstellung über Mobilität und Grenzüberschreitung bis zur Integration im Zielland und Rückkehr. Es entstehen neue Schnittstellen zwischen staatlichen Behörden, internationalen Organisationen, Technologieunternehmen und der Zivilgesellschaft. Migration wird in transnationale digitale Infrastrukturen eingebettet, die Verwaltung, Kontrolle und Unterstützung verbinden. Daher wächst auf europäischer Ebene die Bedeutung der digitalen Vorauswahl. Das System ETIAS (European Travel Information and Authorisation System), geplant für das letzte Quartal 2026, wird automatisch Daten aus Online-Anträgen (z. B. Staatsangehörigkeit, Beschäftigungsstatus) mit anderen EU-Datenbanken vergleichen. Statt Beamten werden Algorithmen Sicherheitsrisiken bewerten und Reisende angeblich vor der Grenze kategorisieren. Die Steuerung der Migration soll sich in Vor-Entscheidungsräume verlagern. Die deutschen Experten beantworten jedoch nicht, wie ein solches Phänomen mit Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit vereinbar ist.
Informationen, Anträge und Vorauswahl erfolgen online und teilweise automatisch. Das erleichtert den Zugang, stärkt jedoch die Bedeutung standardisierter personenbezogener Daten, Qualifikationen und Verfahren. Verzerrte Datensätze, selektive Kriterien und begrenzte Korrekturen können Herkunftsregionen, Bildungswege oder Berufsbiografien diskriminieren. Es ist hier der historische Kontext zu unterstreichen, denn die Migrationskrise 2015 in Deutschland war kein Ergebnis unkontrollierter Prozesse, sondern eine bewusste politische Entscheidung der Regierung Angela Merkel, die die Grenzen für Hunderttausende von Flüchtlingen aus Syrien und anderen Ländern öffnete. Diese Entscheidung, motiviert durch humanitäre und wirtschaftliche Erwägungen, hat gezeigt, dass Migration vor allem eine politische Wahl ist und kein unvermeidliches Chaos. Heute dient die Berufung auf „anonyme Algorithmen“ als Quelle migrationspolitischer Entscheidungen oft als Ausrede, die die wahren Absichten der Politiker verdeckt. Algorithmen arbeiten nicht im luftleeren Raum – sie werden nach politischen Prioritäten programmiert, und ihre „Anonymität“ verbirgt menschliche Verantwortung.
[Autorin Aleksandra Fedorska ist Journalistin von Tysol.pl sowie zahlreichen polnischen und deutschen Medien]
[Titel, Lead, Abschnitte „Was Sie wissen müssen“ und „Was bedeutet das für Polen?“ von der Redaktion]