Ich bin homophob. Why? schreit die innere Stimme, denn du respektierst doch die Anderen, mehr noch – einige magst du, so wie du einige Heteros magst, und das hat nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun.
Ich behandle euch als Ebenbürtige, ja – manchmal halte ich euch für klüger, mitunter für bessere Menschen als mich selbst, und doch will ich, dass ihr eine Minderheit bleibt, eine entschiedene Minderheit.
Und das aus zwei Gründen: Irgendjemand muss Kinder zeugen, gebären und erziehen, und niemand wird mir erzählen, dass es für so ein Kleines etwas Besseres geben kann als eine Familie mit Mama und Papa. Biologisch kann nichts dem Kleinkind die Nähe der Mutterbrust ersetzen, und der Vater als Vorbild der Männlichkeit für den Sohn oder als Spiegel für die sich herausbildende kleine Weiblichkeit hat ebenfalls keinen kompensierenden Ersatz. Ich weiß es aus eigener Erfahrung – ich wuchs unter Frauen auf, ohne Vater – und der Großvater starb zu früh, um mich zum Angeln mitzunehmen, mir zu zeigen, wie man ein Fahrrad repariert oder ein Zimmer streicht. Einige Defizite habe ich aufgearbeitet, ich weiß – einige zu spät, ein Rest blieb bis heute, und ich musste ihn akzeptieren :-)
Der zweite Grund ist prosaisch: Das Lebensende eines Schwulen ist traurig, oft dramatisch, und das Leben selbst himmelweit schwieriger – abgesehen von der Leichtigkeit, sich mit dem Partner zu verständigen – sie sind schließlich gleichen Geschlechts :-). Im Alltag muss er sich mit seinem Anderssein auseinandersetzen, oft den Wohnort und sogar das Land wechseln.
Deshalb kann ich euren Schrei verstehen, euren Widerspruch, eure Rebellion, das verzweifelte Hineinschlüpfen in fremde Schuhe, um zu prüfen, ob es so bequemer und schöner ist. Nur: Wenn ein Kind zum Spaß die Schuhe der Mama anzieht, fällt es höchstens hin; wenn aber ein Schwuler Vater werden will, hat er eine große Chance, das Kind zu Fall zu bringen – und zwar endgültig. So ein Unterschied. Als Eltern geben wir Muster durch unser Verhalten weiter – ob wir wollen oder nicht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Kind die Unwahrheit bemerkt – die Dissonanz zwischen dem, was man ihm sagt, und dem, was tatsächlich geschieht. Was wird aus so einem Kind, selbst bei Vätern, die ihren Liebesausdruck stark einschränken? Eine hinreichend gute Mutter/ein hinreichend guter Vater? Im besten Fall jemand mit Angst vor Nähe, die er bei Erwachsenen nie gesehen hat. Aus dem Obigen ergibt sich mein Wunsch, den Status quo der Homo-Minderheit eben als Minderheit zu bewahren, die war, ist und in der Gesellschaft stets das Ergebnis individueller Wahl – manchmal des Schicksals – sein wird.
Es lohnt sich auch, klar zu sagen, dass die Frage der Orientierung keine Null-Eins-Frage ist. Zwischen reinem Hetero und reinem Homo gibt es mindestens drei Zwischenstufen – woraus ich schließe, dass ohne diese ganze mediale Agitation die Mehrheit der heutigen Schwulen eine Ehefrau und Kinder haben könnte! Ihnen wäre es leichter, und obendrein wären sie der Gesellschaft auf der grundlegendsten Ebene nützlich. Man möchte also rufen: Leiser über diesem Sarg! Stopp, genug! Aber man kann nicht, denn ich käme als Homophober rüber! Und wenn ich als Elternteil dafür kämpfte, dass kein Schwuler mein Kind unterrichtet? Dann wäre ich ein schrecklicher Hinterwäldler. Denn ich glaube tatsächlich, dass der Kontakt Lehrer–Schüler nicht nur Wissensvermittlung ist, sondern zu einem großen Teil Formung des jungen Menschen – und vieles geschieht zwischen den Worten. Warum sagen wir in der Schule „Herr Professor" zum Lehrer? Weil er für den Schüler eine PERSÖNLICHKEIT sein soll!!! Neben dem Wissen lehrt er die Haltung zur Welt und zu sich selbst. Früher sprach man von einer Meister–Schüler-Beziehung, nicht ohne Grund, denn die jungen Adepten sogen sogar die Art zu gehen von ihrem Guru auf. Bis heute, trotz einiger Angebote zum Du, kann ich zu meinem Doktorvater nicht anders als „Herr Professor" sagen. Und mit diesem Denken sollte ich einem homosexuellen Lehrer für meine künftigen Enkel zustimmen?!
Und ansonsten möchte man mit Fredro ausrufen: Wahrt die Proportionen, mein Herr!
Ich weiß, dass die Sphäre des Sexuellen Aufregung erzeugt – die Werbung nutzt ihn massenhaft aus. Doch, verdammt, die Probleme im Zusammenhang mit der Homo-Orientierung betreffen 2 Prozent der Menschheit als jenen Anteil, der bereits dauerhaft betroffen ist und Geschmack gefunden hat. In der publizistischen Medienlandschaft nehmen diese Fragen jedoch ein Vielfaches mehr an Raum ein. Besonders in den letzten Tagen. Es riecht auf Entfernung nach einer künstlichen Offensive, die durch ihre Intensität die tatsächlichen Proportionen der zwei Prozent verzerrt. Außerdem, um Himmels willen! Behandeln wir die sexuelle Orientierung nicht als Kriterium für gesellschaftlichen Aufstieg. Worauf sonst wurde die Figur des Präsidentschaftskandidaten der Linken aufgebaut?! Es ist eben so, dass Schwule in ihrer Gesamtheit intelligente Personen sind, oft Künstler, Ärzte – Eliten. Deshalb ist die Manipulation schwerer zu spüren. Und schließlich war es noch vor zwei Wochen nicht passé, Kaczyński einen alten Päderasten zu nennen – allerdings einen mit Katze...
Alles hat seine Zeit und seinen Ort, sagte der Weise Kohelet, also auch die Sexualität. Man braucht keinen erlesenen Geschmack, um zu wissen, dass sich gewisse Dinge schlicht nicht auf der Straße gehören, andere nicht in der Kirche, im Theater usw. Die Sphäre der Intimität ist dem Schlafgemach vorbehalten, Straßenküsse akzeptieren wir bei Teenagern, und auch das nur in Maßen :-) Vielleicht solltet ihr euer – das Wort „Verhältnis" klingt in diesem Zusammenhang schlecht, aber ich finde kein besseres – Verhältnis zu euren Paraden überdenken, die bei uns „Normalen" – ich erinnere daran, wir sind 98 Prozent – oft Anstoß erregen? So wie meine Freiheit dort endet, wo die eure beginnt, so endet die eure dort, wo die meine beginnt. Das funktioniert in beide Richtungen. Ihr könnt übrigens so schön das Fehlen einer echten Familie mit totaler beruflicher Hingabe an Wissenschaft, Kunst, Arbeit, oft Religion verbinden. Sublimation ist ein Wort, das manch ein Mensch mit persönlichem Inhalt füllen muss – dabei können schöne Dinge entstehen. Ich weiß das, weil einige von euch meine Freunde sind.
Und noch eines: Die ganze jüngste Medienaffäre in Polen entsprang der kirchlichen Unterscheidung zwischen der Sünde und dem Sünder. Es lohnt sich, dies endlich klar und deutlich auseinanderzuhalten: LGBT sind Menschen und eine Ideologie. Also lasst uns die Menschen lieben – und zur Ideologie NEIN sagen.