Nach mehreren Monaten relativer Stabilisierung hat sich die Inflation in Deutschland deutlich beschleunigt. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lag die Inflation im März 2026 bei 2,7 Prozent im Jahresvergleich. Das ist der höchste Stand seit Anfang 2024. Im Vergleich zum Februar 2026 (1,9 Prozent) stiegen die Preise innerhalb nur eines Monats um 1,1 Prozent.

Die wichtigste Ursache für den plötzlichen Anstieg ist der starke Anstieg der Energiepreise. Erstmals seit Dezember 2023 zogen die Energiepreise an — um 7,2 Prozent gegenüber März 2025. Experten sind sich einig: Es handelt sich um eine direkte Folge des Irankrieges und des damit verbundenen Ölpreisschocks. Die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran hat die Rohölpreise auf den Weltmärkten sprunghaft steigen lassen. Benzin verteuerte sich im Jahresvergleich um 17,8 bis 19,7 Prozent, Diesel sogar um 30,7 Prozent und leichtes Heizöl in Bayern um bis zu 44,8 Prozent.

Die Preise an den Tankstellen überschritten vielerorts die Marke von 2 Euro pro Liter, und 100 Liter Heizöl kosteten stellenweise 149 Euro. Diese Preissteigerungen schlagen schnell auf höhere Transport- und Produktionskosten durch, was sich mit der Zeit auf die Preise vieler weiterer Waren auswirken wird.

Neben den Kraftstoffpreisen verteuerten sich auch Dienstleistungen (+3,2 Prozent im Jahresvergleich), darunter Gaststätten, Hotels (+6,3 Prozent für Übernachtungen), Pauschalreisen (+4,9 Prozent) sowie Pflege- und Sozialdienstleistungen (+6,8 Prozent). Auch bei Lebensmitteln waren Preissteigerungen zu verzeichnen. Die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie blieb stabil bei 2,5 Prozent.

Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, kommentiert: Die Inflationsdaten zeigen genau das, was alle Autofahrer bereits bemerkt haben — der Irankrieg treibt die Preise für Kraftstoffe und Heizöl in die Höhe. In den kommenden Monaten könnte die Inflation 3 Prozent übersteigen, und im Falle einer Eskalation des Konflikts sogar 4 Prozent oder mehr erreichen.

Klaus Wohlrabe vom Ifo-Institut ergänzt, dass der Preisdruck in Deutschland wieder deutlich zunimmt. Die Unternehmen geben die steigenden Kosten zunehmend an die Preise ihrer Produkte weiter. Die Bundesbank prognostiziert einen deutlichen Anstieg der Inflation in nächster Zeit. Die Finanzmärkte preisen bereits eine Zinserhöhung der EZB vor dem Sommer ein.

Noch im Dezember 2025 lag die Inflation in Deutschland bei 1,8 Prozent. Der März 2026 brachte eine abrupte Trendumkehr. Die deutsche Wirtschaft, bereits durch eine schwache Konjunktur angeschlagen, erhält einen weiteren Schlag. Höhere Energiekosten könnten die Kaufkraft der Verbraucher mindern und dem privaten Konsum schaden, insbesondere im Vorfeld der Osterfeiertage.