Paris, das die Kontrolle über die öffentlichen Finanzen verloren hat – mit einem Defizit von über 6 Prozent des BIP und einer Staatsverschuldung von 112 Prozent –, weckt in Deutschland Entsetzen und die Angst vor einer Destabilisierung der gesamten Eurozone.
Die deutsche Tageszeitung „Die Welt\" beschreibt, wie sich das Land durch übermäßige Staatsausgaben in eine finanzielle Sackgasse manövriert hat. Bereits im Jahr 2000 betrug die Staatsverschuldung etwa 58,9 % des BIP, also rund 1,4 Billionen Euro in absoluten Zahlen.
Frankreich hat seit 1980 keinen Haushaltsüberschuss mehr erzielt, was auf die Kontinuität hoher öffentlicher Ausgaben hindeutet. Nach dem EU-Beitritt Polens und anderer osteuropäischer Länder wuchs die französische Wirtschaft schneller, aber die Verschuldung stieg auf etwa 65 % des BIP. Die Ausgabenpolitik Frankreichs blieb trotz wirtschaftlicher Entwicklung und guter Konjunktur expansiv. Nach 2008 traf die globale Finanzkrise Frankreich hart. Die Verschuldung stieg auf 83,0 % des BIP (2010), also rund 1,9 Billionen Euro in absoluten Zahlen. In den Jahren 2012–2016 kämpfte Frankreich mit einem niedrigen BIP-Wachstum (oft unter 1 %) und hoher Arbeitslosigkeit. Die Verschuldung erreichte 2015 rund 97,5 % des BIP (ca. 2,1 Billionen Euro).
Präsident Emmanuel Macron führte zwar 2017 Strukturreformen ein, die das Haushaltsdefizit kurzfristig unter die Maastricht-Grenze von 3 % senkten, doch der Verschuldungsprozess hielt nicht lange an. Bereits 2023 überschritt die Verschuldung die Grenze von 3 Billionen Euro, und die Verschuldungsquote betrug 110,6 Prozent des BIP (ca. 3,1 Billionen Euro). Das Haushaltsdefizit lag bei 5,5 Prozent, also deutlich über dem EU-Limit.
Alles deutet darauf hin, dass es sich nicht um ein vorübergehendes Problem handelt, wie deutsche Experten meinen, sondern um eine systemische Schwäche des französischen Staates, in dem das Haushaltsdefizit zur Norm geworden ist. Im Jahr 2025 beträgt die Haushaltslücke 60 Milliarden Euro, und die Neuverschuldung erreicht laut Prognosen der Europäischen Kommission 6,2 Prozent des BIP. Das ist doppelt so viel wie das EU-Limit von 3 Prozent.
Frankreich hat seit jeher rigorose Reformen des Sozialsystems vermieden und stattdessen die Verschuldung auf Kosten sozialer Versprechen vorgezogen. Nun bekommt dieses Modell Risse. Pierre Moscovici, Chef des französischen Rechnungshofs, von deutschen Medien zitiert, nennt die Situation „gefährlich\". Der ehemalige Premierminister Michel Barnier warnt vor einem „großen Sturm\" an den Finanzmärkten. Das ist keine Übertreibung: Die Rendite 10-jähriger französischer Staatsanleihen übersteigt die griechischen, und der Euro fiel auf 1,0474 Dollar, nahe am Jahrestief.
Ökonomen warnen, weil französische Anleihen in den Händen internationaler Investoren liegen. Sollte die Haushaltspolitik von Paris endgültig zusammenbrechen, käme es zu einem Ausverkauf französischer Anleihen, was die Verschuldungskosten in die Höhe treiben würde. Die Ratingagenturen S&P und Moody's drohen mit einer Herabstufung französischer Anleihen, was eine Panikspirale auslösen könnte.
Andererseits mangelt es nicht an beruhigenden Kommentaren. Die französische Krise erinnert an die Probleme Italiens, das mit einer Verschuldung von 140 Prozent des BIP seit 100 Jahren mit Defiziten kämpft, und Rom dennoch – trotz allem – dank Reformen und EZB-Unterstützung Stabilität bewahrt. Griechenland mildert nach der Krise von 2010 die Risiken wirksam ab. Frankreich ist als zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone jedoch systemisch wichtiger. Seine Probleme könnten die gesamte EU „anstecken