Eine Schlüsselrolle bei dieser Transformation spielen Windkraftanlagen, die als Symbol der grünen Energie gelten. Im Bereich der Onshore-Windkraftanlagen dominieren europäische Hersteller wie Vestas (Dänemark), Nordex und Enercon (Deutschland) weiterhin den Markt. Laut dem Ranking der Bundesnetzagentur für das Jahr 2024 belegen diese drei Hersteller in Deutschland die Spitzenplätze bei den tatsächlich in Betrieb genommenen Anlagen. Chinesische Hersteller wie Goldwind, Mingyang oder Sany Renewable Energy hatten bisher einen sehr geringen Marktanteil in Deutschland, da europäische Hersteller aufgrund ihrer Qualität, etablierter Lieferketten und lokaler Serviceinfrastruktur bevorzugt werden.
Schätzungen zufolge liegt der Anteil chinesischer Onshore-Turbinen in Deutschland bei weniger als 1 % der installierten Leistung. Das Problem betrifft hingegen den Offshore-Bereich, in dem chinesische Hersteller einen bemerkenswerten Fortschritt erzielt haben. Ein bahnbrechendes Projekt ist der Offshore-Windpark „Waterkant" vor der Küste Borkums, bei dem der deutsche Projektentwickler Luxcara im Juli 2024 einen Vertrag mit dem chinesischen Hersteller Mingyang über die Lieferung von 16 Offshore-Windkraftanlagen (je 18,5 MW) unterzeichnete. Es ist das erste Mal, dass chinesische Turbinen in Deutschland installiert wurden. Diese Turbinen sollen bis 2028 errichtet werden. Der Anteil chinesischer Turbinen am deutschen Offshore-Markt ist derzeit noch minimal, doch Experten weisen darauf hin, dass chinesische Hersteller aufgrund ihres günstigen Angebots und ihrer großen Produktionskapazitäten (z. B. Mingyang, Goldwind) künftig eine größere Rolle spielen könnten.
China baut seit Jahren seine Position in der globalen Windindustrie aus. Das Land ist nicht nur der größte Hersteller von Windkraftanlagen, sondern kontrolliert auch einen erheblichen Teil der Lieferkette – vom Rohstoffabbau bis zur Komponentenfertigung. Schlüsselmaterialien wie Neodym-Magnete, die in Turbinengeneratoren eingesetzt werden, stammen zu einem großen Teil aus China. Schätzungen zufolge werden etwa 90 % der weltweiten Neodym-Produktion, eines Seltene-Erden-Elements, von chinesischen Unternehmen kontrolliert. Dies verschafft China einen enormen Marktvorteil.
Das deutsche Portal Energiezukunft weist darauf hin, dass bereits heute ein großer Teil der Windkraftanlagen in Deutschland Komponenten aus China enthält. Schätzungsweise 60 bis 70 % der Komponenten europäischer Windkraftanlagen, darunter Rotorblätter, Elektronik und Fundamente, stammen aus China. Besonders stark ist die Abhängigkeit bei Seltenen Erden (z. B. Neodym für Magnete), bei denen China etwa 90 % der weltweiten Produktion kontrolliert. Darüber hinaus konkurrieren chinesische Windkraftanlagenhersteller wie Goldwind oder Sinovel erfolgreich mit europäischen Giganten wie Vestas oder Siemens Gamesa, indem sie günstigere Lösungen anbieten. Obwohl europäische Unternehmen bei technologischen Innovationen weiterhin führend sind, wächst ihre Abhängigkeit von chinesischen Komponenten wie Rotorblättern oder elektronischen Bauteilen stetig.
Die Abhängigkeit von China weckt Bedenken hinsichtlich der Energiesicherheit Europas. Im Falle von Störungen in der Lieferkette – sei es aus politischen, wirtschaftlichen oder logistischen Gründen – könnte die Produktion von Windkraftanlagen in Europa erheblich beeinträchtigt werden. Deutsche Experten weisen darauf hin, dass das Fehlen einer eigenen Produktion von Schlüsselmaterialien wie Neodym oder Spezialstahl Europa in eine schwierige Lage bringt. Bei einer Verschärfung internationaler Konflikte oder der Einführung von Exportbeschränkungen durch China könnte Europa mit Verzögerungen bei der Umsetzung von Windprojekten konfrontiert werden, was die ehrgeizigen Klimaziele gefährden würde.
Um die Abhängigkeit von China zu verringern, ergreift Europa verschiedene Maßnahmen. Eine davon sind Investitionen in Forschung und Entwicklung, um alternative Materialien für die Produktion von Windkraftanlagen zu finden. So wird beispielsweise an Magneten gearbeitet, die keine Seltene-Erden-Elemente benötigen. Darüber hinaus fördert die Europäische Union das Recycling von Turbinenkomponenten, was den Bedarf an neuen Rohstoffen verringern könnte.
Ein weiterer Schritt ist die Förderung der lokalen Produktion. Deutschland und andere EU-Länder ermutigen zur Errichtung neuer Produktionsstätten in Europa, die wichtige Komponenten für Windkraftanlagen herstellen könnten. Solche Investitionen sind jedoch kostspielig und zeitaufwendig, was das Problem der Abhängigkeit von China kurzfristig nicht löst.
Die Europäische Kommission erarbeitet zudem Strategien zur Diversifizierung der Lieferketten. Die Zusammenarbeit mit Ländern wie Australien oder Kanada, die ebenfalls über Vorkommen Seltener Erden verfügen, könnte dazu beitragen, die Dominanz Chinas zu verringern. Der Aufbau alternativer Lieferketten erfordert jedoch Zeit und enorme finanzielle Mittel.
Die Abhängigkeit von China im Windenergiesektor ist eine der größten Herausforderungen für die europäische Energiewende. Obwohl China günstige und effiziente Komponenten anbietet, birgt seine Dominanz Risiken für die Energiesicherheit. Europa, einschließlich Deutschland, muss schnell handeln, um Lieferketten zu diversifizieren, die lokale Produktion zu unterstützen und in neue Technologien zu investieren. Nur so kann der Windsektor nachhaltig wachsen und die ehrgeizigen Klimaziele unterstützen.