Deutsche Experten und Politiker warnen vor dem geopolitischen Risiko, die deutschen Goldreserven auf dem Territorium der USA zu belassen, und fordern eine dringende Überführung dieser Bestände ins Inland. Die Bundesbank versichert jedoch, dass das Gold dort sicher sei. Unterdessen verbleibt deutsches Gold im Wert von über 160 Milliarden Euro nach wie vor im Gebäude der Federal Reserve Bank in New York.

Die deutschen Goldreserven gehören zu den größten der Welt. Nach den Vereinigten Staaten nimmt Deutschland global den zweiten Platz ein. Derzeit lagert die Bundesbank rund 1236 Tonnen Gold im Tresor der Federal Reserve Bank in New York, was über ein Drittel aller dort gelagerten Bestände ausmacht. Der Wert dieser Reserven wird auf etwa 164 Milliarden Euro geschätzt. Die Hälfte des deutschen Goldes befindet sich in Frankfurt und 13 Prozent verbleiben in London. Diese Diversifikation soll im Falle von Bedrohungen Sicherheit gewährleisten. Doch in der heutigen Realität weckt die Politik Donald Trumps bei den Deutschen große Zweifel.

Zwischen 2013 und 2017 hat die Bundesbank bereits einen Teil der Reserven aus New York und Paris nach Frankfurt verlagert und die Lagerung in der französischen Hauptstadt vollständig aufgegeben. Ziel war es, die Kontrolle über die Vermögenswerte zu erhöhen. Experten weisen darauf hin, dass Gold als „Krisenwährung" an Wert gewonnen hat – kurz vor Trumps Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos am 21. Januar erreichte der Preis pro Unze den Rekordwert von 4887,82 Dollar.

Die Hauptquelle der deutschen Bedenken ist die Person Donald Trumps selbst, der als „unberechenbar" und auf die USA fixiert beschrieben wird. Michael Jäger, Vorsitzender des Europäischen Steuerzahlerverbands (TAE), warnt: „Trump ist unberechenbar und wird alles tun, um Einnahmen zu generieren. Deshalb ist unser Gold in den Tresoren der FED nicht mehr sicher." Jäger unterstreicht das wachsende Risiko, dass die Bundesbank den Zugang zu ihren Reserven verlieren könnte, und appelliert an eine unabhängige Entscheidung der Zentralbank, ohne Nachgiebigkeit gegenüber der Politik.

Eine ähnliche Meinung vertritt Emanuel Mönch, ehemaliger Leiter der Forschungsabteilung der Bundesbank. Im Gespräch mit Medien erklärte er: „Angesichts der geopolitischen Lage erscheint es derzeit riskant, eine so große Menge Gold in den USA zu lagern. Im Sinne einer größeren strategischen Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten sollte die Bundesbank eine Rückholaktion in Erwägung ziehen." Mönch argumentiert, dass in einer instabilen Welt deutsches Gold nicht externem Druck ausgesetzt sein sollte.

Zum Kreis der Kritiker gesellt sich auch eine Vertreterin der progressiven deutschen Politik, Katharina Beck, finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. Beck betont, dass die Goldreserven ein „wichtiger Anker für Stabilität und Vertrauen" seien, der „nicht zum Spielball in geopolitischen Auseinandersetzungen werden darf". Beck regt an, das Gold unter der Trump-Regierung nach Deutschland zu überführen, was die größte Sicherheit gewährleisten würde. Ihrer Ansicht nach ist das Risiko, dass die Reserven als Druckmittel eingesetzt werden, real, insbesondere im Kontext der neoimperialistischen Politik der USA.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel lehnt die Idee einer Goldverlagerung entschieden ab und erhält dabei Unterstützung von den Regierungsfraktionen. Fritz Güntzler, Sprecher der Unionsfraktion (CDU), hält die Lagerung eines Teils der Reserven in den USA weiterhin für ratsam: „In der aktuellen Lage sind öffentliche Spekulationen über den Abzug der Goldreserven nicht hilfreich." Güntzler betont die engen finanziellen Verflechtungen zwischen Deutschland, Europa und den USA.

Frauke Heiligenstadt, Sprecherin der SPD, rät hingegen, keine Panik aufkommen zu lassen: „Die deutschen Goldreserven sind gut diversifiziert. Die Hälfte liegt in Frankfurt, was unsere Handlungsfähigkeit sicherstellt." Heiligenstadt verweist auf die Sinnhaftigkeit des Standorts New York aufgrund der engen finanziellen Verflechtungen mit den USA. Ebenso argumentiert Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), dass es aus Gründen einer rationalen Geldpolitik sinnvoll sei, das Gold in den USA zu belassen, um Transaktionen abzusichern.

Die Debatte wird zusätzlich durch die steigenden Goldpreise angeheizt. Experten weisen darauf hin, dass in Zeiten von Protektionismus und Preiskrieg Vermögenswerte wie Gold zu einem Druckmittel werden können.

Im historischen Kontext war die Entscheidung, das Gold in den USA zu lagern, ein strategischer Schachzug in Zeiten des Kalten Krieges, um es vor dem potenziellen Feind hinter dem Eisernen Vorhang zu schützen. Heute jedoch, mit Trump am Ruder, sehen die Deutschen in ihm die größte Bedrohung.

Bemerkenswert ist, dass ähnliche Diskussionen auch in anderen Ländern geführt werden. Beispielsweise hat Polen seine Goldreserven 2019 aus London zurückgeholt, was als vorbildliches und nachahmenswertes Vorgehen dienen könnte.